DEGRO-ARO-Pressemitteilung | Optimale Bildgebung bei Glioblastom-Rezidiven: deutsche GLIAA-Studie belegt erstmals Gleichwertigkeit von PET und MRT

Eine optimale Bildgebung ist enorm wichtig für eine moderne Bestrahlungsplanung. Bei Patienten mit rezidiviertem Glioblastom weist die Positronen-Emissionstomografie mit O-(2-[¹⁸F]Fluorethyl)-L-Tyrosin (FET-PET) eine höhere Spezifität auf als die kontrastmittelverstärkte T1-gewichtete Magnetresonanztomografie (CE-T1-MRT); die PET-Diagnostik ist aber nur an wenigen Standorten verfügbar. Die deutsche multizentrische GLIAA-Studie zeigt jetzt erstmals: beide Bildgebungsverfahren sind für die Bestrahlungsplanung und die anschließende Krankheitsbeherrschung gleichwertig anzusehen (1).

Patienten mit Glioblastom werden, wenn möglich, multimodal mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie behandelt. Die Prognose ist aber weiterhin schlecht, und praktisch alle Patienten erleiden nach Monaten oder Jahren einen örtlichen Rückfall. Eine palliative Re-Bestrahlung ist oft sinnvoll, aber die bildgebende Diagnostik ist besonders anspruchsvoll, weil Rezidivtumore und posttherapeutische Veränderungen schwierig zu differenzieren sind. Bisher war klar, ob die übliche MRT-Diagnostik ausreichend ist oder die PET-Diagnostik bevorzugt werden sollte (2).

In der von der Deutschen Krebshilfe geförderten GLIAA-Studie (NOA-10-Studie bzw. ARO-2013-01) wurden von 2013 bis 2021 insgesamt 200 Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem Glioblastom aus 15 teilnehmenden radioonkologischen Zentren eingeschlossen. Alle Patienten erhielten sowohl ein FET-PET als auch ein MRT, aber zur Bestrahlungsplanung wurde entweder das FET-PET oder MRT (jeweils bei 100 Patienten) eingesetzt. Die mit den beiden Verfahren ermittelten Bestrahlungsvolumina waren sehr ähnlich, im Median 7,2 ml in der FET-PET-Gruppe und 6,1 ml in der MRT-Gruppe; allerdings waren die so ermittelten Volumina nicht vollkommen identisch mit nicht-überlappenden Anteilen von 3,2 bzw. 2,7 ml. Die Behandlung war eine stereotaktische fraktionierte Strahlentherapie des Tumorrezidivs mit 13 Fraktionen mit jeweils 3 Gy. Bezüglich des medianen progressionsfreien Überlebens (4,0 bzw. 4,9 Monate) und der lokalen Tumorkontrollrate nach einem Jahr (22% versus 20%) bestanden keine signifikanten Unterscheide zwischen der Planung mit FET-PET oder MRT. Die Re-Bestrahlung wurde gut vertragen; die kumulative Häufigkeit von Nebenwirkungen Grad 3 oder höher betrug 12% bzw. 14% für akute Nebenwirkungen und 20% bzw. 16% für relevante Spätfolgen.

Frau Prof. Anca Grosu, die Leiterin der Studie, betont, dass durch die GLIAA-Studie nicht nur erstmals die Gleichwertigkeit der eingesetzten Bildgebungsverfahren für die Tumorkontrolle gezeigt wurde. Außerdem wurden auch wichtige Erkenntnisse über Sicherheit und Effektivität der Re-Bestrahlung gewonnen, die Empfehlungen für die Rezidivtherapie unterstützen (3). Frau Prof. Ursula Nestle, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Radioonkologie (ARO), betont die hohen Qualitätsanforderungen der Studie, die einen zukünftigen Standard für die Rezidivtherapie definieren.

Ansprechpartner für Rückfragen:
Frau Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Anca L. Grosu
Ärztliche Direktorin der Klinik für Strahlentherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Robert-Koch-Straße 3, 79106 Freiburg
Telefon: (0761) 270-94610
E-Mail: anca.grosu@uniklinik-freiburg.de

Referenzen:
1. Grosu AL, Weber WA, Graf E et al. O-(2-[18F]fluoroethyl)-L-tyrosine-PET-guided versus contrast-enhanced T1-weighted MRI-guided re-irradiation in patients with recurrent glioblastoma (GLIAA/NOA-10 ARO2013-01): a multicentre, open-label, randomised trial. Lancet Oncol 2026; 27: 169-18
2. de Zwart PL, van Dijken BRJ, Holtman GA, et al. Diagnostic accuracy of PET tracers for the differentiation of tumor progression from treatment-related changes in high-grade glioma: a systematic review and meta-analysis. J Nucl Med 2020; 61: 498–504.
3. Andratschke N, Heusel A, Albert NL, et al. ESTRO/EANO recommendation on reirradiation of glioblastoma. Radiother Oncol 2021; 204: 110696.

DEGRO-Pressestelle:
Prof. em. Dr. Jürgen Dunst
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