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Historie der DEGRO

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Die Geburtsstunde der DEGRO: Aufbruch in eine eigenständige Fachdisziplin

Historische Einordnung des ersten Präsidenten der, Prof. Dr. med. Michael Bamberg, zur Gründungsinitiative der DEGRO:
" 1995 war ein besonderes Jahr für die Radioonkologie in Deutschland. Genau 100 Jahre nach der Entdeckung der Röntgenstrahlung wurde die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie - die DEGRO - gegründet. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals ein mutiger und keineswegs unumstrittener Schritt. Die Strahlentherapie hatte sich längst zu einer eigenständigen klinischen und wissenschaftlichen Disziplin entwickelt, doch ihre institutionelle Eigenständigkeit musste zunächst noch erkämpft werden. Die Entwicklung des Fachgebiets hatte in den Jahren zuvor deutlich an Dynamik gewonnen. In zahlreichen Kliniken verfügte die Strahlentherapie bereits über eigene Bettenstationen und versorgte schwer erkrankte Tumorpatientinnen und -patienten. Gleichzeitig veränderte sich ihr Stellenwert in der Krebsmedizin grundlegend. Die Radiotherapie war zunehmend Bestandteil kurativer Behandlungskonzepte und wurde immer häufiger mit den Möglichkeiten der Systemtherapie kombiniert. Die enge Zusammenarbeit mit der internistischen Onkologie eröffnete neue Perspektiven für die Behandlung und damit auch für die Heilung und Lebensqualität vieler Patientinnen und Patienten. Auch international war diese Entwicklung deutlich zu erkennen. Professor Michael Bamberg aus Tübingen, der später zum ersten Präsidenten der DEGRO gewählt wurde, hatte als Vorstandsmitglied der europäischen Fachgesellschaft ESTRO Anfang der 1990er-Jahre unmittelbar erlebt, wie sich die Radioonkologie in vielen europäischen Ländern als eigenständige Disziplin etablierte. Diese Entwicklung bestärkte die Überzeugung, dass auch die Radioonkologie in Deutschland eine eigene fachliche Heimat und eine eigene wissenschaftliche Plattform benötigte. Der Ort, an dem diese Frage öffentlich und mit großer Leidenschaft ausgetragen wurde, war der Deutsche Röntgenkongress 1995 in Wiesbaden. In der Sitzung der Sektion Strahlentherapie wurde intensiv darüber diskutiert, ob die Zeit für eine eigene Fachgesellschaft gekommen war. Die Debatte war kontrovers und teilweise ausgesprochen emotional. Befürworter und Gegner einer Abspaltung vertraten ihre Positionen mit großer Entschlossenheit. Professor Michael Bamberg, gemeinsam mit Professor Michael Molls aus München und Professor Rolf-Peter Müller aus Köln eine der treibenden Kräfte hinter dem Vorhaben, erinnerte sich später an die aufgeheizte Atmosphäre dieser Tage. Auf dem Weg zu einer Podiumsdiskussion mit mehr als 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern begleiteten ihn wenig schmeichelhafte Bezeichnungen wie „Spaltpilz“ und „Zerstörer der Röntgengesellschaft“. Hinter diesen persönlichen Auseinandersetzungen stand jedoch eine grundlegende Frage: Welche Rolle sollte die Radioonkologie künftig innerhalb der Medizin spielen? Für Bamberg war die Antwort eindeutig. Die Strahlentherapie hatte sich zu einer eigenständigen klinischen Fachdisziplin entwickelt – mit eigenen Aufgaben, eigener wissenschaftlicher Expertise und einer eigenen Verantwortung für die Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten. Auf die emotionale Feststellung des damaligen Präsidenten der Nuklearmedizin, Professor Schober aus Münster, „Wir sind doch eine Familie“, verwies Bamberg darauf, dass die Nuklearmedizin zu diesem Zeitpunkt selbst bereits seit mehr als zehn Jahren über eine eigene Fachgesellschaft verfügte. Die gemeinsame Geschichte mit der Röntgengesellschaft stand aus seiner Sicht einer eigenständigen fachlichen Entwicklung nicht entgegen. Der entscheidende Schritt folgte am 29. Juli 1995 in Tübingen. Dort kamen die Vorstände der Sektion Radioonkologie in der Röntgengesellschaft, der Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft und des Berufsverbands Deutscher Strahlentherapeuten zusammen. Im Mittelpunkt stand die gemeinsame Frage, wie die Radioonkologie in Deutschland – entsprechend der Entwicklung in anderen europäischen Ländern – weiterentwickelt und als eigenständige Fachdisziplin gestärkt werden konnte. Schnell entstand der Entschluss, noch im selben Jahr einen eigenen Kongress für Radioonkologie, Medizinische Physik und Strahlenbiologie zu veranstalten. Die Aufbruchstimmung dieser Zusammenkunft ist bis heute ein prägender Teil der DEGRO-Geschichte. Während der Gespräche nahm Hans-Bruno Makoski aus Duisburg, damals Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Strahlentherapeuten, einen bereitliegenden Notizblock mit dem Briefkopf der Tübinger Klinik. Darauf schrieb er den entscheidenden Satz: „Ich entscheide mich für die Gründung einer selbstständigen Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie.“ Das Blatt wanderte anschließend von Hand zu Hand. Einer nach dem anderen setzte seine Unterschrift darunter. Damit bekannten sich 13 Gründungsinitiatoren gemeinsam zur Gründung einer eigenständigen Fachgesellschaft: Hans-Bruno Makoski (Duisburg), Volker Budach (Berlin), Marie-Luise Sauter-Bihl (Karlsruhe), Friedrich Kamprad (Leipzig), Hermann Frommhold (Freiburg), Michael Molls (München), Michael Bamberg (Tübingen), Rolf-Peter Müller (Köln), Gerd Schmitt (Düsseldorf), Rita Engenhardt-Cabilic (Heidelberg/Marburg), Lutz Ahlemann (Lüdenscheid), Jürgen Hüttner (Greifswald) und Erwin Röttinger (Ulm). Mit dieser gemeinsamen Erklärung war der Grundstein für die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie gelegt. Für Michael Bamberg war der Moment eindeutig: „Das ist die Geburtsstunde der neuen Fachgesellschaft für Radioonkologie und wir werden auf dem ersten DEGRO-Kongress die konstituierende Gründungsversammlung durchführen.“ Nur wenige Monate später wurde aus diesem Entschluss Realität. Im November 1995 fand in Baden-Baden der erste Kongress für Radioonkologie, Medizinische Physik und Strahlenbiologie statt. Rolf-Peter Müller und Michael Bamberg übernahmen als Kongresspräsidenten die Organisation dieser ersten großen Tagung der neuen Fachgesellschaft. Die Resonanz war beeindruckend: 843 Kolleginnen und Kollegen schrieben sich als Mitglieder ein. Damit war die DEGRO nicht nur formal gegründet, sondern von Beginn an breit in der Fachwelt verankert. Die Gründung war ein wichtiger Schritt für die weitere Entwicklung der Radioonkologie in Deutschland. Sie schuf eine gemeinsame Plattform für Wissenschaft, Fort- und Weiterbildung, Qualitätssicherung und die fachliche Weiterentwicklung der radioonkologischen Versorgung. Zugleich entstand ein Ort, an dem die unterschiedlichen Disziplinen und Berufsgruppen, die an der modernen Radioonkologie beteiligt sind, zusammenfinden konnten. Zur Gründungszeit ging es jedoch nicht allein um Strukturen und wissenschaftliche Selbstständigkeit. Es ging auch um das Bild der Strahlentherapie und um ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Gemeinsam mit Marie-Luise Sauter-Bihl gab Michael Bamberg die Broschüre „Strahlen für das Leben“ heraus. Ziel war es, das Ansehen der Strahlentherapie positiv zu gestalten und über ihre Möglichkeiten aufzuklären – gerade in einer Zeit, in der das Fachgebiet in der öffentlichen Wahrnehmung noch stark mit seinen möglichen Nebenwirkungen verbunden war. Seit 1995 hat sich die Radioonkologie grundlegend verändert. Technologische Innovationen, hochpräzise Bestrahlungsverfahren, neue Systemtherapien und ein immer besseres Verständnis der Tumorbiologie haben die Möglichkeiten der Behandlung erheblich erweitert. Aus der Strahlentherapie ist eine hochmoderne Radioonkologie geworden, die heute einen festen und unverzichtbaren Platz in der interdisziplinären Krebsmedizin einnimmt. Geblieben ist jedoch der Kern dessen, was die Gründung der DEGRO getragen hat: die Verbindung von wissenschaftlichem Fortschritt, klinischer Verantwortung und der gemeinsamen Sorge um die anvertrauten Patientinnen und Patienten. Der Mensch sollte und soll im Mittelpunkt stehen, die Behandlung evidenzbasiert und interdisziplinär erfolgen. Der erste DEGRO-Präsident Professor Michael Bamberg brachte diesen Anspruch bereits früh auf den Punkt. Mit Blick auf die weitere Entwicklung des Fachgebiets formulierte er: „Bitte stellen Sie weiterhin unsere vielfältigen Aufgaben der therapeutischen Versorgung und des sich Kümmerns für die uns anvertrauten Krebspatientinnen und Krebspatienten in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen.“ Die Geschichte der DEGRO beginnt damit nicht nur mit einem formalen Gründungsakt. Sie beginnt mit einer Gruppe engagierter Ärztinnen und Ärzte, die davon überzeugt waren, dass die Radioonkologie eine eigene Stimme, eine eigene wissenschaftliche Heimat und vor allem eine gemeinsame Zukunft braucht. Aus einem handgeschriebenen Satz auf einem Tübinger Notizblock wurde eine Fachgesellschaft, die die Entwicklung der Radioonkologie in Deutschland nachhaltig geprägt hat – und deren Gründung bis heute für Aufbruch, Eigenständigkeit und den gemeinsamen Anspruch steht, die Radioonkologie zum Wohl der Patientinnen und Patienten kontinuierlich weiterzuentwickeln." – Prof. Dr. med. Michael Bamberg (Gründungspräsident der DEGRO).

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