Neue Behandlung bei fortgeschrittenem Mastdarmkrebs Wirkstoff-Kombination bei Radiochemotherapie vielversprechend getestet

Berlin, Juni 2012 – Bei Patienten mit fortgeschrittenem Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) setzen Ärzte vor der Operation des Karzinoms oft eine Radiochemotherapie ein, um den Tumor zu verkleinern. Wie ein deutsches Forscherteam nun herausfand, reagiert der Tumor dabei eher auf eine Wirkstoff-Kombination als auf die bisher übliche Gabe eines einzelnen Medikaments. Über die Ergebnisse ihrer Studie mit mehr als 1200 Patienten berichten die Wissenschaftler aktuell in einer Online-Vorabveröffentlichung des Fachmagazins „The Lancet Oncology“. Der Einsatz der Wirkstoff-Kombination plus Radiotherapie vor der Operation könnte in Kombination mit der anschließenden Chemotherapie zum Goldstandard in der Behandlung von Mastdarmkrebs werden, betont die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

 Bei lokal fortgeschrittenem Mastdarmkrebs ist der Tumor schon in das umliegende Fettgewebe oder in die Lymphknoten vorgedrungen, hat aber noch keine Fernmetastasen gebildet. Der wichtigste Therapieschritt ist die Entfernung des Tumors durch eine Operation. „Aber noch vor diesem Eingriff behandeln wir die meisten Patienten mit einer Strahlenchemotherapie, die die Tumorzellen abtöten und zur Verkleinerung des Tumors führen soll“, erklärt DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. Nach der Operation folge dann eine weitere Chemotherapie.

In Deutschland und anderen Ländern verwenden Ärzte für beide Chemotherapien meist das Mittel Fluorouracil. In einer großangelegten Studie prüfte die Deutsche Rektumkarzinom-Studiengruppe nun an 88 beteiligten Zentren, ob eine Kombination dieses Medikaments mit dem Wirkstoff Oxaliplatin den Erfolg der Behandlung verbessert. Während die eine Hälfte der Patienten ausschließlich mit Fluorouracil behandelt wurde, bekam die andere Hälfte beide Arzneien verabreicht. Wie sich zeigte, wirkte die Behandlung mit der Wirkstoffkombination effektiver als die Therapie mit dem einzelnen Medikament: Nach der Radiochemotherapie waren hier bei etwa jedem sechsten Patienten keine Tumorzellen bei der Operation mehr nachweisbar. Bei der Standardbehandlung war dies nur bei etwa jedem achten Teilnehmer der Fall. Diese sogenannte Komplettremission des Tumors senkt vermutlich das Risiko für ein späteres Wiederauftreten der Erkrankung. Der Erstautor der Studie, Professor Dr. med. Claus Rödel, DEGRO-Mitglied und Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Onkologie am Klinikum der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, stellt fest: „Ob die Kombination tatsächlich die langfristige Prognose der Patienten bessert, wird jedoch erst der weitere Verlauf der Untersuchung zeigen.“

Die Arbeit der deutschen Forschergruppe, die im Kommentar der Fachzeitschrift wegen ihrer herausragenden Qualität besonders gelobt wird, markiert vermutlich einen Wendepunkt. „Die Kombination zweier Wirkstoffe könnte künftig zur Standardtherapie bei fortgeschrittenem Mastdarmkrebs werden“, erklärt DEGRO-Präsident Dunst. Allerdings seien die positiven Effekte bislang nur für die unmittelbare Wirkung der Radiochemotherapie gezeigt. „Vor allem gilt es nun zu prüfen, ob die zusätzliche Gabe des Wirkstoffs Oxaliplatin tatsächlich langfristig eine Rückkehr des Krebses verhindert und die Prognose der Patienten verbessert“, so der Experte.

Professor Rödel ergänzt, dass die Patienten des Studienarms mit den zwei Medikamenten diese Wirkstoff-Kombination gut vertrugen. Zwar verursachte die zusätzliche Gabe von Oxaliplatin häufiger Durchfall und Erbrechen. Insgesamt traten aber akut-toxische Effekte in beiden Gruppen gleich häufig auf – bei etwa 20 Prozent der Teilnehmer. Besonders positiv beurteilt der Experte die gute „Compliance“: In beiden Gruppen blieben über 80 Prozent der Teilnehmer bis zum Ende bei der Behandlung.

In einer zweiten, auch in „The Lancet Oncology“ veröffentlichten Studie prüften deutsche Mediziner ebenfalls bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Mastdarmkrebs, ob man Fluorouracil durch den Wirkstoff Capecitabin ersetzen kann. Tatsächlich erwies sich dieses Mittel als zumindest gleichwertig: Nach fünf Jahren lebten noch 76 Prozent der mit diesem Wirkstoff behandelten Patienten. Mit Fluorouracil lag der Anteil bei 67 Prozent. Derzeit prüft eine weitere Studie, ob auch die Wirkung von Capecitabin durch eine Kombination mit Oxaliplatin gesteigert werden kann.

 Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Rödel, C. et al.: Preoperative chemoradiotherapy with fluorouracil and oxaliplatin versus fluorouracil alone in locally advanced rectal cancer: initial results of the German CAO/ARO/AIO-04 randomised phase 3 trial. Lancet Oncology 2012, Online-Vorabveröffentlichung

Hofheinz, R.-D. et al.: Chemoradiotherapy with capecitabine versus fluorouracil for locally advanced rectal cancer: a randomised, multicentre, non-inferiority, phase 3 trial. Lancet Oncology 2012; Bd. 13:579–588

Rödel, C.: Neoadjuvante Radiochemotherapie mit 5-FU plus Oxaliplatin beim lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom. Strahlentherapie und Onkologie 2012: Bd. 188:446–447

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Organerhaltende Behandlung von fortgeschrittenem Blasenkrebs Radiochemotherapie weit wirksamer als alleinige Bestrahlung

Berlin, Mai 2012 – Bei der Behandlung von Blasenkrebs im fortgeschrittenen Stadium verbessert die Kombination von Strahlenbehandlung und gleichzeitiger Chemotherapie die Prognose der Patienten deutlich, wie eine aktuelle Studie aus Großbritannien zeigt. „Die Radiochemotherapie bietet für viele Patienten eine schonende Alternative zu einer Radikaloperation, und eine Entfernung der Blase kann dadurch meistens vermieden werden“, betont Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). „Denn gerade für ältere Menschen mit Begleiterkrankungen kann die Operation eine große Belastung darstellen.“

 Jedes Jahr erkranken in Deutschland fast 16 000 Menschen an Blasenkrebs. Die meisten Blasenkrebsarten wachsen nur oberflächlich in der Schleimhaut und sind relativ harmlos; diese Krebse können meistens bei einer Blasenspiegelung durch die Harnröhre entfernt werden. Die Blase wird dabei erhalten. Doch in jedem fünften Fall hat das Karzinom schon auf die Blasenmuskulatur übergegriffen. Dann versuchen Ärzte gewöhnlich, die gesamte Harnblase zu entfernen, oft samt umliegender Organe wie etwa Prostata oder Gebärmutter. Privatdozent Dr. Christian Weiss, leitender Oberarzt an der Klinik für Strahlentherapie der Universität Frankfurt am Main, erläutert, dass dieses Vorgehen nicht für alle Patienten optimal ist: „Diese sogenannte Zystektomie belastet gerade ältere Menschen, die an weiteren Begleiterkrankungen leiden, schwer.“

Die Bestrahlung bietet eine Alternative zur Operation. Bisher hielten viele Ärzte die Operation aber für besser und setzten die Bestrahlung deshalb nur bei inoperablen Patienten ein. Schon seit Jahren wird daher versucht, die Bestrahlung durch zusätzliche Medikamente wirksamer zu machen. Manche Zytostatika können nämlich, wenn sie gleichzeitig mit einer Bestrahlung verabreicht werden, die Strahlenwirkung in Tumorzellen verstärken. Wichtige Erkenntnisse zu dieser Behandlungsform, der Radiochemotherapie, wurden von deutschen Universitätskliniken erarbeitet. Durch die britische Studie wurde jetzt aber erstmals klar bewiesen, dass die Kombinationsbehandlung besser, und der Unterschied zur reinen Strahlenbehandlung sogar noch größer als erwartet ist.

An der britischen Untersuchung nahmen insgesamt 360 Patienten teil, deren Tumor schon in die Muskulatur der Blase vorgedrungen war. Sie wurden entweder nur bestrahlt oder erhielten zusätzlich noch eine Chemotherapie. Mit der Radiochemotherapie lebten zwei Jahre danach erfreulicherweise gut zwei Drittel der Patienten tumorfrei. Durch die kombinierte Therapie können die Ergebnisse gegenüber der alleinigen Bestrahlung um mehr als zehn Prozent weiter verbessert werden. Allerdings führte die zusätzliche Chemotherapie etwas häufiger zu Nebenwirkungen. Diese blieben jedoch auf die Dauer der Behandlung beschränkt, wie die Mediziner im „New England Journal of Medicine“ berichten. Die Harnblase konnte bei den meisten Patienten (nämlich bei etwa 85 Prozent) erhalten werden.

„Die Ergebnisse der Kombinationstherapie sind ähnlich gut wie bei einer vollständigen Entfernung der Blase“, sagt PD Dr. Weiss. „Damit eröffnet dieses Vorgehen eine organerhaltende Alternative zu einer Radikaloperation bei Patienten mit fortgeschrittenem Blasenkrebs.“

DEGRO-Präsident Professor Dunst hält es für möglich und hofft, dass Ärzte die Radiochemotherapie künftig häufiger anwenden. „Die britische Studie gilt als Meilenstein für die Therapie von fortgeschrittenem Blasenkrebs. Damit ist auch beim Harnblasenkrebs, ähnlich wie bei Brustkrebs oder Kehlkopfkrebs, eine organerhaltende Behandlung möglich.“

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Nicholas D. James et al.: Radiotherapy with or without Chemotherapy in Muscle-Invasive Bladder Cancer. In: New England Journal of Medicine, Vol. 366 (16): S. 1477–1488, 1540–1541

 William U. Shipley, Anthony L. Zietman. Old Drugs, New Purpose – Bladder Cancer Turning a Corner. In: New England Journal of Medicine, Vol. 366 (16): S. 1540–1541

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Strahlentherapie bei Lungenkrebs und COPD Bessere Ergebnisse durch stereotaktische Bestrahlung als durch Operation

Berlin, April 2012 – Lungenkrebs ist in Deutschland bei Männern die häufigste und bei Frauen die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Etwa 50 000 Menschen erkranken jährlich. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter und steht zudem in direktem Zusammenhang mit dem Konsum von Tabak. Leiden Menschen mit Lungenkrebs zusätzlich an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) – im Volksmund auch Raucherlunge genannt – kann dies eine lebensrettende Operation unmöglich machen. In dieser Situation bietet eine moderne stereotaktische Bestrahlung die Chance, die Überlebenszeit zu verlängern und in vielen Fällen das Krebsleiden zu heilen, stellt die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer aktuellen Studie fest.

 Lungenkrebs ist in den meisten Fällen Folge des Rauchens. Wenn Menschen viele Jahre und sehr stark rauchen, können sie eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) entwickeln. Zu den Symptomen gehören Kurzatmigkeit, chronische Bronchitis, Atemnot und Asthma. 50 bis 70 Prozent aller Menschen, bei denen Lungenkrebs diagnostiziert wird, haben zu diesem Zeitpunkt auch eine COPD. „Die Konstitution solcher Patienten ist dadurch so geschwächt, dass sie die Strapazen einer Operation mit der teilweisen Entfernung der Lunge nicht überleben würden“, berichtet Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität zu Lübeck.

Wie eine aktuelle Studie aus Amsterdam zeigt, können Ärzte dank einer Alternativmethode auf die Operation verzichten, ohne für die Patienten per se eine schlechtere Prognose in Kauf zu nehmen: Aus den Daten der Studie leitet sich für die Patienten eine Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent ab, innerhalb von drei Jahren nach der sogenannten „stereotaktischen Radiotherapie“ ohne Tumorrückfall am Ort der Bestrahlung zu überleben. „Die Ergebnisse sind mit denen nach einer Lungenoperation vergleichbar. Die OP ist aber häufig mit einer Verschlechterung der Lungenfunktion und einem erhöhten Sterberisiko verbunden“, erläutert Professor Dr. med. Christian Rübe, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums des Saarlandes. „Für die meisten Patienten in der Studie war die Strahlenbehandlung wegen der schweren Raucherlunge alternativlos. Sie hätten eine Operation höchstwahrscheinlich nicht überlebt.“

Die stereotaktische Radiotherapie gleicht einer Operation ohne Messer. Nachdem die Ärzte den Tumor zuvor mit einer speziellen Goldspirale markieren, wird seine genaue Position mithilfe von Aufnahmen eines Computertomografen erfasst. Der Tumor wird dann von mehreren Seiten gleichzeitig mit jeweils geringer Dosis bestrahlt. Während das Gewebe rund um den Tumor so geschont wird, treffen die Strahlen präzise im Krebsgewebe aufeinander. „Durch das Zusammentreffen der Strahlen ist die Strahlendosis an diesem Punkt groß genug, um das Gewebe effektiv zu zerstören“, erläutert Strahlenmediziner Rübe. Die Behandlung könne in den meisten Fällen ambulant durchgeführt werden und werde in der Regel gut vertragen.

Doch auch wenn der Tumor in der Lunge erfolgreich zerstört werden kann, sind die Chancen bei Lungenkrebs vergleichsweise schlecht. So starben von den behandelten Patienten der Studie – trotz der guten Tumorkontrolle – mehr als die Hälfte in den ersten drei Jahren. „Viele Lungenkrebstumore haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits gestreut, ohne dass wir das mit den heutigen Methoden nachweisen können“, erläutert Professor Rübe. „Diese Patienten können dann auch durch die Bestrahlung oder eine Operation nicht geheilt werden.“ Andere Krebspatienten würden an den Folgen der COPD sterben, die unabhängig von der Krebsbehandlung fortschreitet.

Die stereotaktische Bestrahlung ist trotz der bedrückend geringen Heilungschance von Lungenkrebs im Allgemeinen eine sichere und effektive Option für Lungenkrebspatienten mit COPD. Vor allem wenn ältere, durch ihre Krankheit zusätzlich geschwächte Menschen behandelt werden, ist diese nicht-invasive Methode besonders geeignet, resümieren die DEGRO-Experten. Damit lassen sich die Risiken, die jede Operation in sich birgt, und ein langer Krankenhausaufenthalt vermeiden.

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Palma D, Lagerwaard F, Rodrigues G, Haasbeek C, Senan S. Curative treatment of Stage I non-small-cell lung cancer in patients with severe COPD: stereotactic radiotherapy outcomes and systematic review. Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2012; 82: 114956

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21640513

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Lokale Therapie des Prostatakarzinoms Metastudie zeigt: Strahlenbehandlung ist in allen Stadien hoch effektiv

Berlin, März 2012 – Die besten Behandlungsergebnisse beim lokalisierten, also auf die Prostata beschränkten, Prostatakarzinom werden mit einer Strahlentherapie erreicht. Entweder als Brachytherapie (einer Strahlentherapie „von innen“) oder als Kombination von Brachytherapie und externer Strahlentherapie. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer kürzlich im British Journal of Urology International (BJUI) publizierten, systematischen Analyse von mehr als 52 000 Erkrankungsfällen hin.

 Das Prostatakarzinom ist mit weit über 60 000 Neuerkrankungen jährlich der häufigste bösartige Tumor und die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache beim Mann. Durch stetig verbesserte Diagnoseverfahren werden heutzutage mehr als 70 Prozent aller Prostatakarzinome recht früh entdeckt. Oft sind sie dann auf das Organ begrenzt, und damit bestehen gute Heilungschancen. Nicht jeder Patient benötigt eine Behandlung. Bei einigen ist eine regelmäßige sogenannte aktive Überwachung die beste Option. Wenn jedoch eine lokale Behandlung des Prostatatumors indiziert ist, kommen verschiedene Verfahren in Betracht: die Radikaloperation oder verschiedene Strahlentherapie-Verfahren, darunter auch die Brachytherapie (permanente Seed-Implantation oder HDR-Brachytherapie).

Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität zu Lübeck, betont: „Operation und Strahlentherapie gelten als gleichwertig. Bisher gibt es jedoch keine randomisierten Studien mit einem direkten Vergleich der Verfahren.“ Daher begrüßt der Strahlentherapeut aus Lübeck die jüngst veröffentlichten Ergebnisse einer internationalen Gruppe um den Prostataexperten Peter Grimm, Seattle. Alle in der Fachliteratur veröffentlichten Behandlungsergebnisse der letzten Jahre (2000 bis 2010) wurden in dieser „Metastudie“ systematisch analysiert. Untersucht wurden die Behandlungsergebnisse nach Radikaloperation (16 697 Patienten, davon 1381 mit robotergestützter OP), interstitieller Brachytherapie (insgesamt 22 479 Patienten, zum Teil mit zusätzlicher externer Bestrahlung und Antihormontherapie), alleiniger externer Bestrahlung (12 082 Patienten) oder anderen Verfahren (532 Patienten mit hochfokussiertem Ultraschall, 227 Patienten mit Kryotherapie). Professor Dr. med. Thomas Wiegel, Ärztlicher Direktor der Abteilung Strahlentherapie am Universitätsklinikum Ulm und Beauftragter der DEGRO für Prostata-Zentren, erläutert: „Als Maß für die Wirksamkeit der Behandlung wurde die biochemische Rezidivfreiheit analysiert, also der Anteil von Patienten, bei denen sich der Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA-Wert) nach der Behandlung nicht verschlechterte“.

Alle Patienten seien auf der Basis der vor Therapiebeginn vorliegenden Befunde in drei Risikogruppen aufgeteilt worden, da diese Information bei allen Therapieverfahren in gleicher Weise vorliegt und Ärzten und Patienten als Grundlage für eine Behandlungsentscheidung dient. Professor Wiegel fasst die Ergebnisse zusammen: „Diese Studie liefert zwar keinen Beweis, dass eine bestimmte Therapie eindeutig besser ist als andere. Die biochemische Rezidivfreiheit war in dieser Analyse aber nach einer Brachytherapie oder nach einer Kombination aus Brachytherapie und/oder externer Bestrahlung und Hormontherapie am höchsten. Strahlentherapie-Verfahren sind in allen Krankheitsstadien eine hocheffektive Behandlung und im Vergleich zu einer Radikaloperation mindestens gleichwertig oder besser.“ Die DEGRO-Experten resümieren, dass diese Analyse eine wichtige Hilfe für die Entscheidungsfindung von Ärzten und Patienten darstellt.

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Grimm P, Ignace Billiet I, Bostwick D et al. Comparative analysis of prostate-specific antigen free survival outcomes for patients with low, intermediate and high risk prostate cancer treatment by radical therapy. Results from the Prostate Cancer Results Study Group. BJUI 109, Suppl. 1, 22–29, 2012

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Strahlentherapie lindert Schmerzen beim Fersensporn

Berlin, Dezember 2011 – Eine Strahlentherapie kommt meist bei Krebserkrankungen zum Einsatz. Dass in Deutschland jährlich auch über 40 000 Patienten mit gutartigen Erkrankungen eine Strahlentherapie erhalten, ist wenig bekannt. Dies entspricht 10 bis 20 Prozent aller Bestrahlungen und betrifft vor allem entzündliche Weichteil-, degenerative Gelenk- sowie Bindegewebserkrankungen wie zum Beispiel Arthrose, Fersensporn, Tennisellenbogen, aber auch gutartige Gefäßgeschwülste. Die verwendete Strahlendosis ist in der Regel erheblich geringer als in der Krebstherapie, der Behandlungserfolg hoch. Zudem ist die Methode nahezu frei von akuten Nebenwirkungen und Spätfolgen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer aktuellen Studie zur Behandlung des schmerzhaften Fersensporns hin.

Ein Fersensporn ist ein dornartiger Knochenauswuchs an der Ferse. Durch Mikroverletzungen des Gewebes, aufgrund von Über- und Fehlbelastungen wie Fußfehlstellungen oder Übergewicht, lagert sich Knochenmaterial am Sehnenansatz ein. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung leiden an einem Fersensporn – häufig ohne Beschwerden. Wird der Bereich des verknöcherten Sehnenansatzes gereizt, kann es jedoch zu Entzündungen kommen. Dies ist oft mit großen Schmerzen und Problemen beim Gehen verbunden. Die Schmerzen werden besonders spürbar, wenn der Fuß länger nicht belastet wird. Die typischen Schmerzen morgens nach dem Aufstehen sind dafür ein Beispiel.

Zur Behandlung des Fersensporns erhalten die Patienten in der Regel orthopädische Einlagen und Krankengymnastik. Eine Operation kommt nur in seltenen Fällen in Frage. Eine sichere und sehr wirksame Methode, die Schmerzen zu lindern, ist die sogenannte Schmerzbestrahlung. „Mit der Strahlentherapie steht uns ein sehr wirksames und sicheres  Behandlungsverfahren zur Verfügung. Die Ansprechraten sind mit 70 bis 100 Prozent besonders hoch“, erläutert PD Dr. med. Oliver Micke vom Franziskus Hospital in Bielefeld und Mitautor und Initiator einer aktuellen Studie zur Effektivität der Strahlentherapie beim schmerzhaften Fersensporn.

An der Studie nahmen – aufgeteilt auf zwei Studienarme – 66 Patienten teil. Bestrahlt wurde zweimal pro Woche mit einer Einzeldosis von 1 Gray (Gy) pro Tag bis zu einer Standarddosis von insgesamt 6 Gy. Der andere Studienarm wurde ebenfalls zweimal pro Woche mit einer sehr niedrigen Dosis von insgesamt 0,6 Gy bestrahlt, also mit einer Einzeldosis von jeweils 0,1 Gy über einen Zeitraum von drei Wochen. „Zudem ist die Methode praktisch frei von akuten Nebenwirkungen und Strahlenspätfolgen“, ergänzt Dr. Micke, der auch stellvertretender Vorsitzender in der DEGRO-Arbeitsgemeinschaft „Gutartige Erkrankungen“ ist.

„Die Bestrahlung kommt für Fersensporn-Patienten in Frage, bei denen die konventionelle Therapie und auch die Gabe von Schmerzmitteln nicht geholfen haben“,  betont Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. Aber man sollte nicht zu lange warten: Je früher bestrahlt werde, umso größer sei der Behandlungserfolg. Dr. Micke fasst zusammen: „Die Therapie ist kurz, wenig planungsintensiv und sehr wirksam. Das konnten wir mit unserer Untersuchung nachweisen.“ Die DEGRO empfiehlt die Behandlung. Zudem handelt es sich – anders als bei anderen alternativen Methoden – um eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Niewald M, Seegenschmiedt M.H., Micke O, Gräber S., Mücke R., Schäfer V, Scheid C, Rübe Ch. Multizentrische randomisierte Studie zur Effektivität der Strahlentherapie in Abhängigkeit von der Dosierung beim schmerzhaften Fersensporn – definitive Ergebnisse nach 12 Monaten Follow-up für die GCGBD (German cooperative Group for Radiotherapy of Benign Diseases). DEGRO-Kongress 2011 in Wiesbaden.

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Speiseröhrenkrebs: Operation durch Strahlen- und Chemotherapie ergänzen oder ersetzen

Berlin, September 2011 – Krebsoperationen an der Speiseröhre sind technisch schwierig. Auch gelingt es nicht immer, alle Tumorzellen zu beseitigen. Eine sogenannte Radiochemotherapie, die Strahlen- und Chemotherapie kombiniert, kann den Tumor vor der Operation verkleinern. Damit erhöht sie die Chance, dass sich der Krebsherd anschießend vollständig chirurgisch entfernen lässt. Bei Patienten, bei denen eine Operation zu riskant wäre, liefert auch eine alleinige Radiochemotherapie gute Ergebnisse. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer neuen Meta-Analyse hin.

Acht von zehn Krebserkrankungen der Speiseröhre entfallen auf Plattenepithelkarzinome. Häufig sind sie Folge eines langjährigen Tabak- und Alkoholkonsums. „Beim Plattenepithelkarzinom ist eine Operation technisch sehr schwierig, vor allem wenn sich der Tumor im oberen Bereich der Speiseröhre befindet“, berichtet Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. „Die Chirurgen müssen dann den Brustkorb öffnen, um den vom Tumor befallenen Abschnitt der Speiseröhre zu entfernen.“

Die Operation ist für die durch den Krebs geschwächten Patienten riskant. Außerdem gelingt es dem Chirurgen nicht immer, den Tumor vollständig zu entfernen. „Die feinen Ausläufer des Krebsherdes sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen“, erläutert Dunst. „Die feingewebliche Untersuchung zeigt dann häufig, dass sich noch Tumorzellen an den Schnitträndern befinden.“

An vielen Zentren erhalten die Patienten deshalb vor der Operation eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie. Diese Radiochemotherapie verkleinert den Tumor und erhöht die Chance, dass sich der Krebs bei der Operation komplett entfernen lässt. Dies zeigt eine Meta-Analyse, die Chirurgen und Strahlentherapeuten der Technischen Universität München kürzlich im British Journal of Surgery veröffentlicht haben. Allerdings sind Strahlen- und Chemotherapie für Patienten, denen eine schwere Operation bevorsteht, eine zusätzliche Belastung.

Ist dieses Vorgehen zu riskant, bietet sich ein Verzicht auf die Operation an. Die alleinige „definitive“ Radiochemotherapie zielt darauf ab, die Tumorzellen vollständig durch Bestrahlung und Chemotherapie auszuschalten. Wissenschaftler haben das neue Therapiekonzept in mehreren Studien untersucht. Die zusammenfassende Bewertung in der Meta-Analyse zeigt, dass es für die Patienten eine schonende Alternative ist.

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Kranzfelder M, Schuster T, Geinitz H, Friess H, Büchler P. Meta-analysis of neoadjuvant treatment modalities and definitive non-surgical therapy for oesophageal squamous cell cancer. British Journal of Surgery 2011 Jun;98(6):768–83

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Brustkrebs: Lymphknoten nicht komplett entfernen, sondern bestrahlen

Berlin, Juli 2011 – Viele Krebserkrankungen bilden zuerst an den Lymphknoten Metastasen. Deshalb entfernen die Chirurgen diese bei vielen Tumoroperationen vorsorglich mit – auch wenn sie nicht erkennbar vom Krebs befallen sind. Eine schonendere Alternative ist eine Strahlentherapie. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer aktuellen Studie an Patientinnen mit Brustkrebs hin. Diese zeigt, dass eine Bestrahlung der Lymphknoten nach der Brustoperation die Gefahr eines Tumorrückfalls senken kann.

„Dass das komplette Entfernen der Lymphknoten die Heilungschancen verbessert, wird heute zunehmend in Frage gestellt“, sagt Professor Dr. med. Jürgen Dunst, DEGRO-Präsident und Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. Eine radikale Lymphknotenchirurgie könne den Patienten sehr belasten und sogar seine Überlebenschancen vermindern, so der Experte. Dies haben Studien zum Magen- und Lungenkrebs gezeigt. Auch beim Brustkrebs sprechen aktuelle Daten dafür, auf eine Entfernung nicht vom Krebs befallener Lymphknoten zu verzichten.

Weniger belastend ist eine Bestrahlung der Lymphknoten. So konnte eine kanadische Studie bei Brustkrebspatientinnen zeigen, dass eine Strahlentherapie die Heilungschancen verbessern kann. Die Chirurgen entfernten neben dem Tumor nur die vergrößerten Lymphknoten. „Alle Frauen erhielten dann eine Bestrahlung der Brust, wie dies nach brusterhaltender Operation üblich ist. Bei einem Teil der Patientinnen wurden jedoch zusätzlich die nicht entfernten Lymphknoten in der Achselhöhle bestrahlt“, erklärt DEGRO-Präsident Dunst.

Die Studienergebnisse wurden kürzlich auf dem Jahreskongress der amerikanischen Fachgesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) vorgestellt. Danach konnte die zusätzliche Strahlentherapie der Lymphknoten die Rückfallrate in den ersten fünf Jahren um ein Drittel senken. Zudem traten im weiteren Verlauf weniger Fernmetastasen auf. Auch ein Trend zu einer Verbesserung des Gesamtüberlebens war erkennbar. „Auf dem ASCO wurde bereits diskutiert, allen Frauen nach der Entfernung der befallenen Lymphknoten eine Bestrahlung der Achselhöhle anzubieten”, berichtet Dunst. Die DEGRO möchte vor einer endgültigen Empfehlung jedoch die Langzeitergebnisse und die Ergebnisse der Studie der European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC) abwarten. Die ersten Daten werden in etwa drei Jahren erwartet.

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, so dass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Studie auf der ASCO-Tagung:

NCIC-CTG MA.20: An intergroup trial of regional nodal irradiation in early breast cancer: http://www.asco.org/ascov2/Meetings/Abstracts?&vmview=abst_detail_view&confID=102&abstractID=79126

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Punktgenaue Strahlentherapie zerstört Tumoren der Vorsteherdrüse

Berlin/Wiesbaden, Juni 2011 – Der Krebs der Vorsteherdrüse, das Prostatakarzinom, lässt sich im Frühstadium auch ohne eine Operation heilen. So wird eine Strahlentherapie heute als gleichwertige Alternative zu einem chirurgischen Eingriff angesehen. Darauf weisen Experten der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) im Vorfeld ihrer 17. Jahrestagung hin, die vom 2. bis zum 5. Juni 2011 in Wiesbaden stattfindet. Die Strahlentherapie des Prostatakarzinoms ist ein Themenschwerpunkt des Kongresses.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 49.000 Männer an einem Prostatakarzinom. Dank des PSA-Tests (prostataspezifisches Antigen) wird die Erkrankung häufig sehr frühzeitig entdeckt. „Lange Zeit standen die Patienten vor der schweren Entscheidung, sich einer Operation zu unterziehen oder nicht”, berichtet DEGRO-Präsidentin Professor Dr. med. Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Bei dem Eingriff, der sogenannten radikalen Prostatektomie, entfernen die Ärzte die gesamte Vorsteherdrüse mit den benachbarten Samenblasen.

In den letzten Jahren hat sich die Strahlentherapie zu einem gleichwertigen Behandlungsansatz entwickelt. Während die Operationsmethoden im Wesentlichen dieselben geblieben sind, wurden bei der Strahlentherapie große Fortschritte erzielt. Üblich ist heute eine dreidimensionale konformale Strahlentherapie. Dabei lokalisieren die Radioonkologen die vom Krebs befallenen Bereiche der Vorsteherdrüse zunächst mithilfe einer Computertomografie. Im Anschluss daran lenken moderne Geräte die Strahlen aus mehreren Richtungen punktgenau auf den Tumor. „Durch die hochpräzise Fokussierung
bleibt das umgebende Gewebe weitgehend verschont. Deshalb können wir bei diesem Verfahren auch die Strahlendosis beträchtlich erhöhen. Und damit steigen wiederum die Heilungschancen für die Patienten“, erklärt Engenhart-Cabillic.

Immer mehr Patienten entscheiden sich mittlerweile auch für eine Brachytherapie. Bei dieser Form der Strahlentherapie werden Implantate von der Größe von Reiskörnern minimal-invasiv in die Prostata eingebracht. Durch eine gleichzeitige Ultraschall­untersuchung gelingt eine genaue Positionierung dieser „Seeds“, die ihre therapeutische Dosis nur in unmittelbarer Umgebung abgeben. „So zerstören die Strahlen ganz gezielt die Tumorzellen, das umgebende Gewebe dagegen bleibt erhalten”, sagt Professor Dr. med. Franz-Josef Prott, Kongresspräsident und Radioonkologe in der Gemeinschaftspraxis Radiologie und Strahlentherapie am St. Josefs-Hospital in Wiesbaden. Für die Angehörigen des Patienten bestehe kein Strahlenrisiko.

Ein Vorteil der Brachytherapie ist die kurze Dauer des Eingriffs von nur ein bis zwei Stunden. Zudem kann die Implantation der Seeds auch ambulant erfolgen und die Patienten müssen danach keine langen Schonzeiten einhalten. Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt die Therapie für Patienten mit einem begrenzten Krebsbefall der Prostata. Die Ergebnisse seien hier der äußeren Bestrahlung und der Operation absolut gleichwertig, betont Prott: „Die bisherigen Erfahrungen mit bis zu 15 Jahren Nachbeobachtung sind exzellent.“

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, so dass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

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Professor Jürgen Dunst übernimmt Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie

Berlin/Lübeck, Juni 2011 – Der Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck, Professor Dr. med. Jürgen Dunst, ist neuer Präsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). Als bisheriger Vizepräsident der DEGRO tritt Dunst nun das Amt seiner Vorgängerin Professor Dr. med. Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie des Universitätsklinikums Gießen und Marburg, an. Der neue Vorstand der DEGRO wurde im Rahmen ihrer 17. Jahrestagung in Wiesbaden gewählt und wird bis 2013 amtieren.

Als neuer Präsident möchte sich Dunst für die Interessen aller Radioonkologen in Klinik und Praxis stark machen und eine verstärkte Zusammenarbeit in Netzwerken voran bringen. Zudem gelte es, die Zusammenarbeit mit anderen Fachgruppen weiter auszubauen, so der Experte. Darüber hinaus möchte er sich dafür einsetzen, dass die Strahlentherapie als wichtige Säule der Krebsbehandlung von Patienten, Kollegen benachbarter medizinischer Fächer und auch in der Gesundheitspolitik noch stärker wahrgenommen wird. „Zwei Drittel aller Tumorpatienten erhalten eine Strahlentherapie. Die Radioonkologie vereint eine Vielfalt hoch-innovativer Therapiemethoden. Dank dieser haben viele Krebspatienten heute gute Heilungschancen“, betont Dunst.

Geboren 1958 in Minden, Westfalen, studierte Dunst 1977 bis 1983 Humanmedizin in Kiel, wo er 1984 auch promovierte. Im Anschluss daran ging der Mediziner an die Universität Erlangen. Hier schloss er 1990 auch seine Facharztweiterbildung zum Strahlentherapeuten ab. In seiner Habilitation setzte er sich 1992 mit klinischen und experimentellen Ergebnissen der simultanen Radiochemotherapie auseinander. Von 1994 bis 2005 war Dunst Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Halle-Wittenberg. Anschließend wechselte er an die Universität zu Lübeck und leitet dort seither die Klinik für Strahlentherapie am Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Seit April 2011 ist der neue DEGRO-Präsident zudem als Ärztlicher Geschäftsführer des Nordeuropäischen Radioonkologischen Centrums Kiel (NRoCK) tätig.

Dunst forscht vor allem auf dem Gebiet der simultanen Radiochemotherapie, also der gleichzeitigen Anwendung einer Strahlen- und einer Chemotherapie bei Krebspatienten. Weitere Schwerpunkte seiner klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit sind organerhaltende Therapieverfahren – vor allem bei Brust- und Harnblasenkrebs – und die Behandlung von Tumoren im Kindesalter.

Dem neuen Vorstand der DEGRO gehört darüber hinaus als erster Vizepräsident Professor Dr. med. Michael Baumann, Universität Dresden, an. Zweite Stellvertreterin wird turnusgemäß Professor Dr. med. Rita Engenhart-Cabillic. Als Schatzmeister wurde Professor Dr. Oliver Kölbl, Regensburg und als Schriftführer Professor Dr. Wolfgang Hoffmann, Braunschweig wiedergewählt. Die neugewählten Beisitzer sind Professor Dr. med. Stefan Höcht, Hamburg, Professor Dr. med. Nils Cordes, Dresden, Professor Dr. rer. nat. Klemens Zink, Gießen. Kongresspräsident 2012 wird Professor Dr. med. Rainer Fietkau aus Erlangen sein. Prof. Dr. Horst Sack aus Essen bleibt Geschäftsführer der DEGRO.

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Radioonkologen laden Studenten zum Kongress ein und gründen Netzwerk

Berlin/Wiesbaden, Mai 2011 – Anlässlich ihrer 17. Jahrestagung startet die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) ein Programm zur Nachwuchsförderung: 100 Studenten sind eingeladen, kostenfrei am Kongress teilzunehmen. Um die Jungmediziner auch langfristig zu begleiten, wird die DEGRO während des Kongresses den „Club 100“ ins Leben rufen. Ziel des Netzwerkes ist es, die Studenten in ihrem wissenschaftlichen und klinischen Werdegang zu unterstützen, zum Beispiel durch die Vermittlung von Praktikumsplätzen oder Auslandsaufenthalten. Die

17. Jahrestagung der DEGRO findet vom 2. bis 5. Juni 2011 in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden statt.

„Schon während des Studiums wollen wir unsere jungen Kolleginnen und Kollegen auf die Radioonkologie und die Vielfalt des Faches aufmerksam machen. Wir wünschen uns natürlich, dass es uns so gelingt, sie für eine entsprechende Facharztweiterbildung zu gewinnen“, sagt Professor Dr. med. Rita Engenhart-Cabillic, DEGRO-Präsidentin und Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Vertreter der DEGRO informieren die Studenten deshalb am 4. Juni 2011 im Rahmen eines Lunchsymposiums und eines anschließenden Nachmittagssymposiums über die wichtigsten Tätigkeitsfelder in der Radioonkologie – von der Behandlung kindlicher Krebserkrankungen bis hin zur palliativen Strahlentherapie.

Auch der Startschuss für den „Club 100“ erfolgt während der DEGRO-Jahrestagung. In diesem Netzwerk, einer Art Mentorenprogramm, sollen die Nachwuchsmediziner über die Veranstaltung hinaus Anregungen für die Karriereplanung finden. So können zum Beispiel Praktikumsplätze vermittelt werden. Die Studenten erhalten zudem Unterstützung bei ihrer Suche nach einer interessanten Doktorarbeit und eine Plattform zum Erfahrungsaustausch. Alle Kongressteilnehmer sind eingeladen, sich in dieses Netzwerk einzubringen. „Wir wollen den Studenten ermöglichen, sich mit erfahrenen Kollegen auszutauschen und ihnen so auch Karrierechancen eröffnen. Mit der Initiative möchten wir zudem frühzeitig einem drohenden Nachwuchsmangel vorbeugen“, sagt Professor Dr. med. Franz-Josef Prott, Kongresspräsident und Radioonkologe in der Gemeinschaftspraxis Radiologie und Strahlentherapie am St. Josefs-Hospital in Wiesbaden.

Die Anmeldung der Studenten erfolgt über sogenannten Paten: Jeder Leiter einer radioonkologischen Abteilung, eines Instituts oder einer Praxis kann einen Medizinstudenten zur DEGRO-Jahrestagung nach Wiesbaden einladen. Die Paten beteiligen sich auch zur Hälfte an der Finanzierung der Kongressteilnahme, einschließlich Anreise und Übernachtungen. Die weiteren Kosten trägt die DEGRO in Kooperation mit dem schwedischen Unternehmen Elekta.

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