Professor Michael Baumann aus Dresden übernimmt Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO)

Berlin, Mai 2013 – Professor Dr. med. Michael Baumann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden, ist neuer Präsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). Interdisziplinäre Forschung und die Potenziale der sich rasant entwickelnden Strahlentherapie mit neuen Behandlungsoptionen und als Alternative und Ergänzung zu anderen Krebsbehandlungsmethoden sind die Themen, denen Baumann sich während seiner Präsidentschaft besonders widmen möchte. Baumann übernimmt das Amt von Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Lübeck. Der neue Vorstand wurde im Rahmen der 19. Jahrestagung der DEGRO in Berlin gewählt und wird bis 2015 amtieren.

 Als neuer Präsident möchte sich Professor Baumann für die Interessen aller Radioonkologen in Klinik und Praxis engagieren und die Zusammenarbeit in Netzwerken und Forschungsverbünden stärken. Die Zusammenarbeit aller an der Behandlung von Krebspatienten Beteiligten ist für den Dresdener Mediziner und Forscher ein zentrales Anliegen. Die Strahlentherapie ist eine der drei Säulen der Krebsbehandlung. „Bei bestimmten Krebserkrankungen, wie beispielsweise beim Prostatakarzinom, ist die Strahlentherapie der Operation absolut gleichwertig oder sogar in Bezug auf die Langzeitfolgen möglicherweise überlegen“, erläutert Professor Baumann. „Unsere Forschungsbemühungen gehen seit Jahren in die Richtung, verschiedene Fachdisziplinen wie Radioonkologie, Medizinphysik, Strahlenbiologie und Molekularbiologie zu kombinieren. Damit lässt sich die Strahlentherapie immer weiter verbessern und ist letztendlich noch schonender und individueller auf den einzelnen Patienten zugeschnitten.“ In der Zukunft gelte es noch stärker als bislang üblich, bei jedem Einzelfall zu entscheiden, welcher Tumor besser durch eine Operation, welcher durch eine Bestrahlung oder durch die Kombination beider Verfahren und welcher durch eine Radio-Chemotherapie behandelt werden sollte.

Baumann, Jahrgang 1962, studierte von 1982 bis 1988 Humanmedizin an der Universität Hamburg, wo er 1988 auch promovierte. Im Anschluss daran ging der Mediziner an die Harvard University, USA, um danach seine Facharztweiterbildung zum Strahlentherapeuten in Hamburg zu absolvieren und sich dort 1994 zu habilitieren. Professor Baumann wechselte 1995 an die TU Dresden und baute dort ein Forschungszentrum für Experimentelle Strahlentherapie und Strahlenbiologie auf, das sich mit der Erforschung der Rolle von Krebsstammzellen, gezielter Molekulartherapie, Bioimaging und Biomarker für die Radiotherapie befasst. 2001 wurde er zum Professor für Radioonkologie an der TU Dresden berufen, 2003 wurde er Gründungsdirektor des Dresdner Comprehensive Cancer Center und später Sprecher des Zentrums für Innovationskompetenz für Strahlenforschung in der Onkologie– OncoRay. Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, Dresden ist Professor Baumann seit 2010.

Der neue DEGRO-Präsident ist zudem Direktor des Instituts für Radioonkologie am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und Leiter des Partnerstandorts Dresden des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung – DKTK. Baumann forscht vor allem auf dem Gebiet der Strahlentherapie intrathorakaler Tumoren und über Tumorstammzellen, molekulare Medikamente, neue Strahlenarten und Bioimaging für die Verbesserung der Strahlentherapie maligner Tumore.

Dem neuen Vorstand der DEGRO gehört darüber hinaus als erster Vizepräsident Professor Dr. med. Dr. Jürgen Debus (49), Universität Heidelberg an. Zweiter Stellvertreter wird turnusgemäß Professor Dr. med. Jürgen Dunst (54), Lübeck. Als Schatzmeister wurde Professor Dr. med. Oliver Kölbl (48), Regensburg und als Schriftführer Professor Dr. med. Wolfgang Hoffmann (54), Braunschweig wiedergewählt. Die neugewählten Beisitzer sind Professor Dr. med. Stefan Höcht (53), Saarlouis/Saarbrücken, Professor Dr. med. Klemens Zink (56), Gießen und Professor Dr. med. Nils Cordes (44), Dresden. Kongresspräsident 2014 wird Professor Dr. med. Wilfried Budach (55) aus Düsseldorf sein. Professor Dr. med. Normann Willich (66) aus Münster bleibt Geschäftsführer der DEGRO.

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

Brustkrebs: Neue Techniken ermöglichen kürzere Bestrahlungszeiten

Berlin, Mai 2013 – Nach Brustkrebsoperationen ist fast immer eine Strahlentherapie erforderlich, um ein erneutes Tumorwachstum in der Brust zu verhindern. Die Strahlenbehandlung wird werktäglich ambulant durchgeführt und dauerte bisher immer etwa bis zu acht Wochen. Neue technische Verfahren erlauben jetzt eine Verkürzung der Behandlungszeit auf etwa vier bis fünf Wochen. Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) betont, dass diese Verfahren sicher sind und allgemein empfohlen werden können.

Eine Strahlentherapie nach Brustkrebsoperationen dauert bisher etwa sieben bis acht Wochen. Man bestrahlt zunächst immer die ganze Brust – etwa 25 bis 28 Mal. „Diese Fraktionierung, also die Aufteilung der Bestrahlung, ist notwendig, um dauerhafte Strahlenreaktionen im normalen Gewebe zu minimieren“, erläutert DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. Im Anschluss an die fraktionierte Therapie erhalten die Patientinnen noch einen sogenannten Boost, eine Dosisergänzung, meistens fünf bis acht zusätzliche Bestrahlungen auf das Tumorbett. Dabei wird ausschließlich die Stelle bestrahlt, an der sich der Tumor vor der Operation befand. „Dort ist die Konzentration von Tumorzellen, die bei der Operation nicht entfernt wurden, erfahrungsgemäß am höchsten“, sagt Professor Dunst. An manchen Zentren wird dieser Boost bereits während der Operation als intraoperative Strahlentherapie verabreicht und führt solcherart ebenfalls bereits zu einer Verkürzung der Gesamtbehandlungszeit. Im Allgemeinen sind aber zurzeit nach einer Brustkrebsoperation etwa 30 bis 35 Bestrahlungen üblich.

Inzwischen geht der Trend dahin, die Dauer der Strahlentherapie zu verkürzen. Denn die häufigen Bestrahlungstermine sind vor allem für Patientinnen mit langen Anfahrtswegen belastend. Nach Empfehlung der DEGRO und der österreichischen Fachgesellschaft ÖGRO kommen aktuell zwei Verfahren zur Verkürzung der Strahlentherapie in Frage, nämlich der simultan‐integrierte Boost (SIB) oder eine Hypofraktionierung. „Beim simultan-integrierten Boost wird die zusätzliche Bestrahlung des Operationsgebietes, die bisher erst nach der Strahlentherapie der ganzen Brust erfolgte, bereits auf die einzelnen Termine bei der Strahlenbehandlung der ganzen Brust verteilt“, erläutert Professor Dr. med. Rolf Sauer, Vorsitzender der DEGRO-Organgruppe Mammakarzinom aus Erlangen. Voraussetzung für die SIB‐Technik sind moderne Bestrahlungs‐ und Planungstechniken, die mittlerweile aber in Deutschland flächendeckend zur Verfügung stehen. Ein zweites Verfahren ist die sogenannte Hypofraktionierung: Dabei erfolgt die Bestrahlung der Brust jeweils mit einer etwas höheren Dosis pro Tag, und der Boost wird, wie bisher, danach bestrahlt. Die hypofraktionierte Bestrahlung ist aus Sicht der DEGRO eine Alternative vor allem für ältere Patientinnen mit einer günstigen Prognose. Je nach Verfahren, SIB bzw. Hypofraktionierung, verkürzt sich die Behandlungszeit auf etwa vier bis fünfeinhalb Wochen.

Technisch möglich ist auch eine Kombination aus SIB und Hypofraktionierung. Dadurch könnte die Behandlungszeit noch weiter verkürzt werden, nämlich auf etwa drei Wochen. Erste Ergebnisse aus klinischen Studien, auch aus Deutschland, zeigen, dass diese Therapie gut vertragen wird. Noch ist aber nicht abschließend geklärt, ob es bei dieser Kombination nicht doch langfristig zu stärkeren Strahlenspätreaktionen kommen kann. „Wenn die einzelne Strahlendosis zu hoch wird, kann es Vernarbungen geben, die den Patientinnen Schmerzen bereiten und mit einem schlechten kosmetischen Ergebnis einhergehen“, warnt Professor Dr. med. Felix Sedlmayer, Präsident der ÖGRO und ebenfalls Experte für Brustkrebs. Auch sichtbare Erweiterungen von Blutgefäßen können die Kosmetik nach der Bestrahlung empfindlich stören. Extrem starke Verkürzungen der Behandlungszeit waren mit stärkeren Nebenwirkungen verbunden. „Es ist deshalb ratsam, sehr stark verkürzte Behandlungsregime zunächst in klinischen Studien weiter zu erproben“, raten die Experten. Eine Verkürzung der Therapiezeit um etwa zwei Wochen von bisher sieben auf fünf Wochen kann nach Einschätzung der DEGRO-Experten aber bereits jetzt empfohlen werden. Voraussetzung ist aber die langfristige, engmaschige Nachsorge durch den Strahlentherapeuten.

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Sedlmayer F., Sautter Bihl ML., Budach W. et al.: Is the simultaneously integrated boost (SIB) technique for early breast cancer ready to be adopted for routine adjuvant radiotherapy?: Statement of the German and the Austrian Societies of Radiooncology (DEGRO/ÖGRO). Strahlenther Onkol 2013, 189: 193–196.

Bantema-Joppe EJ., Schilstra C., de Bock GH. et al. (2012): Simultaneous integrated boost irradiation after breast-conserving surgery: physician-rated toxicity and cosmetic outcome at 30 months‘ follow-up. Int J Radiat Oncol Biol Phys 83:e471–7.

Hurkmans CW., Dijckmans I., Reijnen M. et al. (2012): Adaptive radiation therapy for breast IMRT-simultaneously integrated boost: three-year clinical experience. Radiother Oncol 103:183–7

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Prostatakrebs: Strahlentherapie oder Operation? Langzeitstudie vergleicht Therapien auf Vorteile für Patienten

Berlin, März 2013 – In Deutschland ist Prostatakrebs unter Männern die häufigste Krebserkrankung. Jedes Jahr werden nach Angaben des Robert Koch-Instituts etwa 63 400 Neuerkrankungen diagnostiziert. Ein Prostatakrebs kann heute im Frühstadium durch eine Operation oder eine Strahlentherapie geheilt werden. Beide Behandlungen haben jedoch unterschiedliche Auswirkungen auf die Lebensqualität, die nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) bei der Therapiewahl berücksichtigt werden sollten. Eine Langzeitstudie, die nach der Therapie die körperliche Funktion der Blase, des Darms sowie Potenzstörungen untersuchte, liefert hierfür nun wichtige neue Erkenntnisse.

Prostatakrebs ist heilbar, und betroffene Männer haben nach der Diagnose eine Lebenserwartung von 15 Jahren oder länger. Während dieser Zeit müssen die Patienten mit den Folgen der Therapie leben, die bei Operation und Radiotherapie zunächst unterschiedlich sind. „Nach der Operation, bei der die Prostata komplett entfernt wird, kommt es häufig zur Harninkontinenz und zu Potenzstörungen“, erklärt DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. Für den Alltag heißt das nicht nur, dass einige Männer Einlagen tragen müssen, sondern auch, dass die Erektionsfähigkeit verloren gehen kann. Die Strahlentherapie sei hier im Vorteil, so Dunst. Viele Patienten, die vor der Behandlung diesbezüglich keine Probleme hatten, bleiben nach der Bestrahlung ebenfalls beschwerdefrei. Es könne jedoch zu Störungen der Darmfunktion kommen, wenn die Strahlung die an die Prostata angrenzende Darmschleimhaut schädigt. Eine mögliche Folge seien schmerzhafte Stuhlgänge: „Hier zeigt die Erfahrung jedoch, dass Patienten mit einer zuvor guten Darmfunktion nach der Radiotherapie seltener Probleme bekommen“, ergänzt der DEGRO-Präsident.

Eine aktuelle Studie aus den USA, in der mehr als 1600 Männer ein, zwei, fünf und 15 Jahre nach der Behandlung nach ihren Beschwerden befragt wurden, liefert nun Vergleichsdaten zu den Langzeitauswirkungen der beiden Therapien. Die Studie wurde im New England Journal of Medicine, einer der renommierten Fachzeitschriften weltweit, veröffentlicht. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Lebensqualität nach 15 Jahren wieder angleicht. „Viele Patienten erholen sich in den ersten Jahren nach der Operation von der Harnwegsinkontinenz. Sie erreichen aber auch nach 15 Jahren nicht die Lebensqualität von Patienten nach Strahlentherapie“, betont Professor Dr. med. Thomas Wiegel, Ärztlicher Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Ulm und Beauftragter der DEGRO für Prostata-Zentren. So war der Anteil der Patienten, die regelmäßig Einlagen tragen müssen, 15 Jahre nach der Operation noch immer mehr als doppelt so hoch wie bei den strahlentherapierten Patienten. Bei der Sexualfunktion hatten Männer aus der Prostatektomie-Gruppe nach zwei und fünf Jahren häufiger Erektionsstörungen als die aus der Radiotherapie-Gruppe, obwohl Letztere im Mittel fünf Jahre älter waren. Nach 15 Jahren kommt es zu einer Angleichung, die aber vor allem eine Folge des hohen Alters ist. Bei der letzten Befragung hatten in beiden Gruppen etwa neun von zehn Männern eine erektile Dysfunktion, was angesichts eines Lebensalters von etwa 80 Jahren nicht mehr als Problem angesehen wurde. Auch die Störung der Darmfunktion nach der Strahlentherapie ist in der Regel nicht dauerhaft sein: Der Anteil der Patienten, die nach der Radiotherapie über schmerzhafte Stuhlgänge klagten, ging von 14 Prozent nach zwei Jahren auf vier Prozent nach 15 Jahren zurück. Es gab hier am Ende keine Unterschiede mehr zu den operierten Patienten.

„Die Studie zeigt, dass insbesondere ältere Patienten, die bislang keine Probleme mit Inkontinenz, Potenz und Darmfunktion hatten, von der Strahlentherapie profitieren. Innerhalb der ersten Jahre haben sie deutliche Vorteile gegenüber operierten Patienten und danach auch keine wesentlichen Nachteile“, folgert Dunst. Die Therapie sollte jedoch immer individuell und eng auf den Patienten abgestimmt werden.

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Resnick MJ, Koyama T, Fan KH, Albertsen PC, Goodman M, Hamilton AS, Hoffman RM, Potosky AL, Stanford JL, Stroup AM, Van Horn RL, Penson DF: Long-term functional outcomes after treatment for localized prostate cancer. N Engl J Med. 2013 Jan 31;368(5): 436–45

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Strahlentherapie und Radiochemotherapie bei Vulvakarzinom mit Lymphknotenbefall vorteilhaft: Überlebenszeit von Patientinnen fast verdoppelt

Berlin, Februar 2013 – Bei Frauen, die an einem Vulvakarzinom, dem Krebs des äußeren weiblichen Genitals, erkrankt sind, sinken die Überlebenschancen, wenn die Lymphknoten befallen sind. Strahlentherapie oder eine kombinierte Radiochemotherapie kann die Überlebenszeit der Patientinnen deutlich verlängern. Das zeigt eine Studie führender deutscher Behandlungszentren, auf die jetzt die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) hinweist. Besonders bemerkenswert ist, dass offenbar bereits Frauen mit nur einem befallenen Lymphknoten von der Strahlenbehandlung profitieren könnten, erklärt die DEGRO anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar.

Bösartige Geschwulste im Bereich der weiblichen Schamlippen sind selten. In Deutschland erkranken jedes Jahr 3400 bis 4000 Frauen am Vulvakarzinom. Die Tendenz ist allerdings steigend, was auf vermehrte Infektionen mit krebsauslösenden Warzenviren, den humanen Papillomaviren, zurückgeführt wird. „Eine alleinige Operation kann das Vulvakarzinom nur in einem sehr frühen Stadium heilen“, berichtet DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. Hat der Tumor dieses frühe Stadium überschritten, entfernen die Ärzte bei der Operation vorsichtshalber die Lymphknoten in der Leistengegend. Die weitere Therapie hängt dann davon ab, ob in den Lymphknoten Tumorzellen entdeckt werden. Zu den möglichen Behandlungen bei nachgewiesenem Lymphknotenbefall gehören eine Bestrahlung und teilweise zusätzlich eine Chemotherapie.

„Der Nutzen der Strahlentherapie oder Radiochemotherapie beim Vulvakarzinom wurde bislang in Studien kaum untersucht“, sagt Professor Dunst: „Der Tumor war einfach zu selten. Auch größere Zentren behandeln oft nur sehr wenige Patientinnen mit Vulvakarzinom im Jahr.“ Die Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Onkologie (AGO) hat deshalb die Behandlungsdaten der letzten zehn Jahre aus 29 deutschen Zentren ausgewertet. Von den etwa 500 Patientinnen mit Lymphknotenbefall hatte etwa die Hälfte eine Strahlentherapie erhalten. Bei einigen Patientinnen wurde diese mit einer Chemotherapie kombiniert. Die Ergebnisse waren vielversprechend: „Die Strahlen- oder Radiochemotherapie hat die Überlebenszeiten der Patientinnen deutlich von im Durchschnitt circa 3 Jahren auf 5,5 Jahre verlängert“, berichtet Professor Dr. med. Cordula Petersen, Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), die an der von Privatdozent Dr. med. Sven Mahner geleiteten Studie beteiligt war. Dieser Vorteil blieb unabhängig vom Alter, sonstigem Gesundheitszustand, Aggressivität und Ausdehnung des Tumors und der Zahl der befallenen Lymphknoten bestehen. „Die derzeitigen Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaften raten erst ab drei oder mehr befallenen Lymphknoten zu einer Strahlentherapie oder Radiochemotherapie“, berichtet Professor Petersen: „Die neuen Ergebnisse sprechen aber dafür, dass die Bestrahlung deutlich mehr Frauen nutzen könnte.“

Beweisen kann dies die Studie allerdings nicht, da sie rückblickend („retrospektiv“) die Daten bereits behandelter Patientinnen ausgewertet hat. „Solche Studien sind immer anfällig für Verzerrungen“, erklärt Dr. Mahner, Leitender Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Gynäkologie am UKE. Die AGO plant deshalb auf Basis dieser ermutigenden Ergebnisse eine neue Studie, die dieses Mal „prospektiv“ durchgeführt wird. In dieser Studie sollen Patientinnen mit einem oder mehreren befallenen Lymphknoten nach der Operation entweder eine Strahlentherapie oder Radiochemotherapie erhalten.

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Abstract der Studie auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology

http://www.asco.org/ASCOv2/Meetings/Abstracts?&vmview=abst_detail_view&confID=114&abstractID=93973

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Krebstherapien zeitgleich: Chemotherapie mit Bestrahlung verbessert Ergebnisse und verkürzt Behandlungszeit

Berlin, Dezember 2012 – Die Krebsgeschwulst abtöten und gestreute, „unsichtbare“ Krebszellen vernichten: Kombinierte Strahlen- und Chemotherapie gegen Krebs erweist sich zunehmend als erfolgreich. Immer häufiger wenden Ärzte deshalb beide Behandlungen gleichzeitig beziehungsweise in engem zeitlichen Zusammenhang an. Diese simultane Radiochemotherapie verbessert nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) nicht nur die Therapieergebnisse, sie verkürzt auch die Behandlungsdauer für die Patienten.

Lange Zeit wurden Bestrahlungen meist im Anschluss an die Chemotherapie durchgeführt. „Die Krebsbehandlung zieht sich dann häufig über sechs Monate oder länger hin“, sagt Professor Dr. med. Rainer Fietkau, Direktor der Strahlenklinik am Universitätsklinikum Erlangen. Eine simultane Radiochemotherapie sei dagegen häufig schon nach sechs bis acht Wochen abgeschlossen. Da beide Therapien die Lebensqualität der Patienten beeinflussen, sei diese verkürzte Dauer ein großer Vorteil. Für Patienten mit längerem Anreiseweg zur Klinik bedeutet es beispielsweise weniger Aufwand und Belastung durch weniger Termine. Auch aus medizinischer Sicht sei die Kombination sinnvoll. Professor Fietkau nennt mehrere Vorteile: Dazu gehöre die „räumliche Kooperation“, bei der die Strahlentherapie den Tumor direkt bekämpft, während die Chemotherapie an den entfernten Orten im Körper die Metastasen abtöte. Hinzu komme eine gegenseitige „Verstärkung der Tumorantwort“: Die Zytostatika, also die Substanzen, die die Zellteilung der Krebszellen stoppen, unterstützten die Radiotherapie. Umgekehrt verbessere auch die Bestrahlung die Wirkung der Zytostatika. Darüber hinaus gibt es laut Professor Fietkau eine „biologische Kooperation“. „Beide Therapien greifen unterschiedliche Zellen des Tumors an. So erreichen viele Zytostatika den Tumor bevorzugt in Abschnitten mit schlechter Sauerstoffversorgung, wo die Strahlentherapie weniger gut wirke“. Ein weiterer Vorteil ist die „temporale Modifikation“: Die Chemotherapie verhindere, dass die Krebszellen die durch die Bestrahlung ausgelösten „Schäden“ am Tumor reparieren. Mit neuen Medikamenten können die Ärzte zudem gesunde Zellen vor der Radiochemotherapie schützen.

Die Wirkung der simultanen Radiochemotherapie konnte in den letzten Jahren gleich bei mehreren Krebsarten durch Studien belegt werden. Als Einsatzgebiete nennt DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum in Lübeck, bösartige Hirntumore, Kopf-Hals-Tumore sowie Krebserkrankungen in Speiseröhre, Magen, Dickdarm, Mastdarm, Lunge und am Gebärmutterhals. Bei allen Krebserkrankungen verlängere die simultane Radiochemotherapie die Überlebenszeiten der Patienten gegenüber einer alleinigen Radio- oder Chemotherapie. „Die simultane Kombination beider Verfahren ist auch besser als aufeinander folgende, sogenannte sequentielle Therapieverfahren. Dabei ist aber die Koordinierung zwischen Radio- und Chemotherapie außerordentlich wichtig, vor allem wenn die Therapie nicht in einer Hand liegt“, betont Professor Dunst.

Um die Wirkung der Bestrahlung zu optimieren, greifen die Ärzte gezielt auf bestimmte Zytostatika mit strahlensensibilisierender Wirkung zurück. Darunter sind ältere Zellgifte wie 5-Fluoruracil oder Cisplatin oder neue Wirkstoffe wie Temozolomid. Experten forschen außerdem an zielgerichteten Krebsmedikamenten. Ob sie die Radiochemotherapie weiter verbessern können, wird derzeit in Studien untersucht. „Der Nutzen einer neuen Therapie lässt sich in der Krebstherapie selten vorhersagen“, erläutert Professor Dunst: „Häufig dauert es zwei, fünf oder auch zehn Jahre, bis wir eine Verbesserung der Überlebenszeiten erkennen können.“ Das gelte nicht nur für die Chemotherapie, sondern auch für die Radiotherapie.

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

  1. Fietkau R.; Simultane Radiochemotherapie zur Behandlung solider Tumoren. Strahlentherapie und Onkologie 2012/S3: 263–271

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DEGRO fordert mehr Patientenaufklärung: Ein Drittel der Tumorpatienten leidet zu Beginn der Strahlentherapie unter Angst und Depressivität

Berlin, November 2012 – Krebspatienten fühlen sich ihrer Krankheit oft ausgeliefert. Mehr als ein Drittel der Patienten, die eine Strahlentherapie antreten, leidet zusätzlich unter Angst und Depressivität. Beide Symptome sind zu Beginn der Behandlung stark ausgeprägt, bessern sich jedoch im Verlauf der Strahlentherapie deutlich. Entscheidend für die positive Angstbewältigung und den Umgang mit Trauer, Niedergeschlagenheit oder Antriebslosigkeit ist eine ausführliche Aufklärung und Betreuung durch den Arzt, betont die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer aktuellen Studie des Universitätsklinikums Regensburg.

Noch immer gehört das Thema Krebs in unserer Gesellschaft zu den Tabuthemen. „Da selten offen darüber gesprochen wird, fühlen sich Tumorpatienten häufig isoliert“, sagt Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. „Das verstärkt die Ängste und macht es noch schwerer, die Krankheit angemessen zu verarbeiten.“ Angst und Depressivität belasten die Patienten und schränken ihre Lebensqualität ein.

Forscher um Professor Dr. med. Oliver Kölbl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Regensburg und Leitlinien-Beauftragter der DEGRO, untersuchten mithilfe eines standardisierten Fragebogens an 60 Krebspatienten Angst und Depressivität. 95 Prozent von ihnen erhielten erstmalig eine Strahlentherapie. Zu drei Zeitpunkten – zu Beginn, zum Ende und sechs Wochen nach Abschluss der Bestrahlung – beantworteten die Probanden den Fragebogen.

Angst und Depressivität nehmen ab

Zu Beginn der Therapie zeigten 41 Prozent der Patienten auffällige oder grenzwertige Symptome von Angst und 33 Prozent von Depressivität. Professor Kölbl erläutert: „Sowohl Angst als auch Depressivität nehmen im Verlauf der Bestrahlung deutlich ab.“ Zu den Ursachen befragt, ergänzt der Experte aus Regensburg: „Eine Strahlentherapie zieht sich über mehrere Wochen hin. Die meisten Tumorpatienten wissen anfangs wenig über die Strahlentherapie, und das verunsichert sie.“ Es habe sich gezeigt, dass die Angst bei den meisten Patienten bereits nach der ersten Strahlentherapiesitzung nachlasse. Je aufgeklärter die Patienten seien, je mehr sie im Gespräch mit dem Arzt erführen, desto schneller könnten sie die Furcht vor den Apparaten verlieren und das „Heilende“ der Strahlentherapie sehen. Die Veränderungen nach Abschluss der Strahlentherapie sind mehr als deutlich.

Keine Scheu vor Fragen

Professor Kölbl rät daher allen Tumorpatienten, sich vom behandelnden Arzt über die Therapiemethoden und -abläufe ausführlich aufklären zu lassen. Es sei zudem Aufgabe der Mediziner, ihren Patienten bei der Angstbewältigung zu helfen. „Es hat sich gezeigt, dass es sinnvoll ist, mit Fragebögen die psychische Situation von Krebspatienten abzubilden“, erklärt Kölbl. So könnten ängstliche oder depressive Personen früh bemerkt und entsprechend unterstützt werden.

Hilfe bei Angst und Depressivität

„Wenn trotz der Beratung die psychische Belastung noch immer sehr hoch ist, sollten Patienten professionelle Hilfe erhalten, zum Beispiel durch einen Psychoonkologen“, ergänzt Professor Dunst. Neben dem Arzt können auch Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen helfen. Weitere Informationen finden sich dazu unter anderem auf der Website der Deutschen Krebsgesellschaft.

 

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Maurer J, Schäfer C, Maurer O, Kölbl O; Angst und Depressivität bei Tumorpatienten im Verlauf der radioonkologischen Behandlung. Strahlentherapie und Onkologie 2012; 188: 940–945

Stacey L. Hart et al.; Meta-Analysis of Efficacy of Interventions for Elevated. Depressive Symptoms in Adults Diagnosed With Cancer. Journal of the National Cancer Institute (2012) 104 (13): 990–1004

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Mit Wärme gegen den Tumor Leitlinie standardisiert Hyperthermie in der Krebstherapie

Berlin, Oktober 2012 – Wärme kann Tumorzellen vernichten, sie kann vorübergehend aber auch gesunde Zellen schädigen. Die „regionale Tiefenhyperthermie“ versucht des­halb, die Wärmeeinstrahlung ausschließlich auf das Tumorgewebe zu konzentrieren. Mehrere Universitätskliniken in Deutschland setzen diese Behandlung ein, um die Wir­kung einer Strahlen- oder Chemotherapie zu verbessern. Gemeinsam mit Kollegen aus der Schweiz und den Niederlanden haben sich die Experten jetzt auf Regeln zur Durch­führung der Therapie geeinigt, teilt die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich der Veröffentlichung der Leitlinie Hyperthermie mit.

„Es ist seit Längerem bekannt, dass Krebszellen hitzeempfindlicher sind als gesunde Zellen“, erläutert DEGRO-Präsident Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahl­entherapie am Universitätsklinikum in Lübeck: Eine Erwärmung auf 42 bis 43 Grad Celsius lasse die Zellen absterben. Außerdem setzen die Zellen Hitzeschockproteine frei, die das Im­munsystem alarmieren und damit die körpereigene Krebsabwehr stimulieren. „Für eine kli­nische Wirkung reicht die alleinige regionale Tiefenhyperthermie zwar in der Regel nicht aus“, sagt Dunst. In Kombination mit einer Strahlen- oder Chemotherapie sei jedoch eine Antikrebswirkung zu erwarten.

Eine Wärmebehandlung dauert nach einer etwa 20- bis 30-minütigen Aufwärmphase jeweils 60 Minuten. Die Wärme wird direkt im Gewebe erzeugt. Dies geschieht durch elektromagne­tische Wellen, die über antennenartige Applikatoren von außen in den Tumor geleitet werden. Während der Behandlung liegt der Patient in einem sogenannten Ringapplikator, der die Wir­kung auf den Tumor fokussiert. Das Prinzip sei dasselbe wie bei der modernen Strahlenthera­pie, sagt Professor Dunst. Nur dass dort der Tumor mit hochenergetischen Strahlen zerstört werde. Die meisten Geräte zur „regionalen Tiefenhyperthermie“ befinden sich deshalb auch in den Strahlenkliniken. Aus Erfahrung wissen die Experten: Ohne feste Standards für Geräte, Auswahl und Vorbereitung der Patienten, Ablauf der Behandlung, Temperaturmessung und Qualitätssicherung, Kontrolle und Dokumentation von Wirkungen und Nebenwirkungen sind keine Erfolge möglich. Professor Dunst: „Die DEGRO begrüßt deshalb, dass sich die Be­handlungszentren auf eine einheitliche Leitlinie verständigt haben.“

Die meisten Zentren kombinieren die Hyperthermie mit einer Strahlen- oder Chemotherapie. Das ist nach Auskunft von Professor Dr. med. Rolf Sauer, Erlangen, einem der Autoren der Leitlinie, biologisch sinnvoll: „Die Behandlungen ergänzen sich, da durch die Hitze zuerst die Zellen mit schlechter Sauerstoffversorgung absterben. Genau diese Zellen werden von der Strahlen- und der Chemotherapie schlecht erreicht.“ Hyperthermie kommt vor allem bei Hochrisiko-Sarkomen zum Einsatz, also Tumoren des Binde- und Stützgewebes. Aber auch bei Brustkrebs-Rezidiven, oberflächlichen Tumorerkrankungen, Kopf-Hals-Tumoren, Gebär­mutterhalskrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Blasen- und Enddarmkrebs. Bisherige Stu­dien sind laut Professor Sauer vielversprechend: „Viele Tumoren lassen sich verkleinern, teil­weise verlängerte sich auch die Überlebenszeit der Patienten.“

Der genaue Stellenwert der Therapie steht jedoch noch nicht fest. Wie immer in der Krebsbe­handlung sollten neue Therapien zunächst in klinischen Studien geprüft werden, bevor sie breit angewendet werden, fordert Professor Sauer. „Die jetzigen Leitlinien liefern hierfür klare Grundlagen. Sie dienen auch der Sicherheit der Patienten.“

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Bruggmoser G, Bauchowitz S, Canters R, Crezee H, Ehmann M, Gellermann J, Lamprecht U, Lomax N, Messmer MB, Ott O, Abdel-Rahman S,, Schmidt M, Sauer R, Thomsen A, Wessalowski R, van Rhoon G; Guideline for the clinical application, documentation and analysis of clinical studies for regional deep hyperthermia. Quality management in regional deep hyperthermia. Strahlentherapie und Onkologie 2012; 188: 198–211

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„Bilder helfen heilen“: Onkologische Bildgebung ermöglicht Tumortherapie nach Maß

Berlin, Oktober 2012 – Moderne Medizin ist ohne Bildgebung nicht mehr vorstellbar. Auch in der Tumorbehandlung ist sie unverzichtbar. Wie groß der Beitrag der Radio­logen und Strahlentherapeuten zu Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen ist, wissen viele Menschen nicht. Um die Öffentlichkeit auf die Bedeutung der Radiologie, der Radioonkologie und speziell der Onkologischen Bildgebung aufmerksam zu mach­en, begehen die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) und die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) am 8. November 2012 den 1. Internationalen Tag der Radio­logie.

In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 490 000 Menschen neu an Krebs. Mithilfe bildge­bender Verfahren wie der Computertomografie (CT), der Magnetresonanztomografie (MR) oder der Szintigrafie können die behandelnden Ärzte eine klare Diagnose stellen und ein punktgenaues therapeutisches Vorgehen planen. Die Radioonkologie, auch Strahlentherapie genannt, ist zusammen mit Operation und Chemotherapie eine tragende Säule der Krebsbe­handlung. „Die Strahlentherapie ist eine nicht-invasive Behandlung“, erklärt Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum in Lübeck. Der Patient erhält keine Narkose, er wird nicht operiert und hat keine Schmerzen. Die Strahlen bremsen das Wachstum des Tumors. Sie verändern das Erbgut der Krebszellen dahingehend, dass diese sich nicht mehr teilen können und absterben. „Mithilfe der bildgebenden Verfahren können wir den Tumor ganz gezielt bestrahlen und das umliegende Gewebe schonen“, ergänzt Professor Dunst.

Doch auch eine Bestrahlung kann Nebenwirkungen haben. „Diese hängen unter anderem von der Dosis und der Größe des Bestrahlungsfeldes ab und sind meistens vorübergehend“, weiß der Experte aus Lübeck. Einige Patienten berichten von Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Abge­schlagenheit oder Kopfschmerzen. Die bestrahlte Haut reagiert manchmal wie bei einem Son­nenbrand, erholt sich aber meistens schnell.

Inzwischen werden mehr als 50 Prozent der Krebspatienten geheilt. Von den geheilten Per­sonen haben etwa 50 bis 60 Prozent im Rahmen der primären, auf Heilung abzielenden Behandlung eine Strahlentherapie erhalten. In einer gemeinsam von DRG und DEGRO in Auftrag gegebenen Umfrage im Jahre 2010 wurde eine hohe Akzeptanz der Strahlentherapie in der Bevölkerung festgestellt. Professor Dr. med. Michael Forsting, Präsident der DRG und Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie des Universitätsklinikums Essen: „Drei Viertel der Befragten halten die Strahlentherapie für eine wichtige und unverzichtbare Behandlungsoption bei Krebserkrankungen. Allerdings be­standen bei gut einem Drittel der Befragten auch Bedenken hinsichtlich des Einsatzes der Strahlentherapie. Diese Vorbehalte wollen wir ausräumen.“

Die Onkologische Bildgebung ist sowohl für die Primärdiagnostik, für die genaue Bestim­mung der Größe und Ausbreitung des Tumors – auch Staging genannt – als auch für die Ver­laufskontrolle onkologischer Erkrankungen wichtig. Große Fortschritte sind bei der Kern­spintomografie zu erwarten, so Professor Forsting. Mit diesem non-invasiven Verfahren wer­de es in Zukunft möglich sein, auf zellulärer Ebene den Tumor zu analysieren und zu klassi­fizieren. „Die molekulare Bildgebung „in vivo“ – also direkt am Patienten und nicht im Labor – wird durch die Kernspintomografie ganz essenziell vorangetrieben werden.“ Mithilfe der Onkologischen Bildgebung haben Radiologen die Therapie bösartiger Erkrankungen massiv verbessert. „Wir lokalisieren die Tumoren genauer und können sie dadurch auch besser be­kämpfen“, resümiert Professor Dunst.

Um mehr Wissen über die Bedeutung der Radiologie und Strahlentherapie zu vermitteln, ha­ben internationale radiologische Fachgesellschaften den Aktionstag ins Leben gerufen. Der 8. November ist ein geschichtsträchtiges Datum: An diesem Tag entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen 1895 eine „neue Art von Strahlen“, die später nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Der 1. Internationale Tag der Radiologie nimmt das Thema „Onkologische Bildgebung“ in den Blick und steht unter dem Motto „Bilder helfen heilen“.

Weitere Informationen: www.medizin-mit-durchblick.de

Medienservice zum 1. Internationalen Tag der Radiologie:

Was macht eigentlich ein Radioonkologe? Wie funktioniert Tumortherapie mittels radiolo­gischer Methoden? Welche neuesten bildgebenden Verfahren stehen zur Verfügung? Wie erleben Krebspatienten die Strahlentherapie? Fünf große Radioonkologische Kliniken (Berlin, Hamburg, Mannheim, Marburg/Gießen und München) haben sich auf den Aktionstag vorbe­reitet und stehen für Fernseh- und Hörfunk-Reportagen ebenso bereit wie für telefonische Interviews und Hintergrundgespräche. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an die Pressestellen der DEGRO oder der DRG

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

 

SIEMENS plant, hochwertige Anlage für Krebstherapie zu verschrotten Kaufangebot eines Investors in Höhe von fast 100 Millionen Euro wurde bisher abgelehnt

Berlin/Kiel, August 2012 – SIEMENS baut hochmoderne Anlagen für die Strahlen­therapie mit Protonen und Ionen, die erfolgreich eingesetzt werden, um Krebspatien­ten zu behandeln. Die Anlage am Universitätsklinikum in Kiel war weitgehend fertig gestellt und ein erster Probebetrieb im Oktober 2011 erfolgreich verlaufen, als der Vertrag zwischen SIEMENS und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein auf Initiative der Firma im Dezember 2011 aufgehoben wurde. Das Kaufangebot eines Investors über fast 100 Millionen Euro lehnt SIEMENS bislang ab. Die Zerstörung einer fast fertigen Hochleistungsanlage ist ein weltweit einmaliger Vorgang und aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) nicht zu rechtferti­gen.

 Die Strahlentherapie ist eine sehr effektive Methode zur Krebsbehandlung. Als Strahlen­arten werden konventionell Röntgen- und Elektronenstrahlung eingesetzt. Die Strahlenbe­handlung mit Protonen und Ionen, auch Partikeltherapie genannt, ist bislang nur an weni­gen Zentren verfügbar. „Die Methode ist bereits jetzt für einzelne Krebserkrankungen die Methode der ersten Wahl“, erklärt Professor Dr. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum in Lübeck. „Ihre Bedeut­ung wird weiter zunehmen.“ In Deutschland stehen entsprechende Therapiemöglichkeiten bisher nur in Heidelberg (Therapie mit Protonen und Kohlenstoffionen) und München (nur Protonentherapie) zur Verfügung.

Vor etwa acht Jahren startete SIEMENS sein Engagement in diesem Therapiefeld. Vier Projekte mit unterschiedlichen Partnern starteten. Wesentliche Teile dieser Technologie wurden in Deutschland mit öffentlichen Mitteln gefördert und entwickelt – unter anderem bei der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH in Darmstadt. Ein vom der GSI und SIEMENS erbauter Prototyp wird seit 2009 erfolgreich in Heidelberg im klinischen Betrieb eingesetzt. Zwei weitere Anlagen hat SIEMENS in Marburg und Kiel gebaut, eine dritte in Shanghai befindet sich noch im Aufbau. Die Anlage in Marburg hat am 6. Dezember 2011 vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Betriebsgenehmigung erhalten. Sie ist CE-zertifiziert und damit ein zugelassenes Medizinprodukt, das eine Behandlung von Krebspatienten nach höchsten medizinischen Standards ermöglicht. Nach den bisherigen Planungen der Firma SIEMENS soll sie später ebenfalls abgebaut werden.

 

Wirtschaftliche Aspekte

Da die von den deutschen Krankenkassen gewährte Vergütung für eine Partikeltherapie in Deutschland wesentlich niedriger als in allen anderen Ländern ist, wollten alle Anbieter (auch SIEMENS) dies durch eine entsprechend höhere Leistungsfähigkeit der Anlagen ausgleichen. Als sich ungefähr im Jahr 2010 abzeichnete, dass die in Marburg und Kiel vertraglich zugesicherte Leistungsfähigkeit nicht erreicht werden würde, stieg SIEMENS aus den Verträgen mit Marburg und Kiel aus.

Wird Krebstherapieanlage nun demontiert?

Das Angebot eines Investors in Höhe von fast 100 Millionen Euro für den Erwerb der An­lage hat SIEMENS bisher abgelehnt. Die Firma verzichtet damit nicht nur auf die Kauf­summe sondern, trägt auch die Kosten einer weltweit einmaligen Demontage einer Thera­pieanlage. Professor Dunst fasst zusammen: „SIEMENS nimmt damit auch Nachteile für den Forschungsstandort Deutschland und zukünftige Einschränkungen in der Behandlung von Krebspatienten in Kauf.“

 

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu be­strahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

Berlin/Kiel, August 2012 – SIEMENS baut hochmoderne Anlagen für die Strahlentherapie mit Protonen und Ionen, die erfolgreich eingesetzt werden, um Krebspatienten zu behandeln. Die Anlage am Universitätsklinikum in Kiel war weitgehend fertig gestellt und ein erster Probebetrieb im Oktober 2011 erfolgreich verlaufen, als der Vertrag zwischen SIEMENS und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein auf Initiative der Firma im Dezember 2011 aufgehoben wurde. Das Kaufangebot eines Investors über fast 100 Millionen Euro lehnt SIEMENS bislang ab. Die Zerstörung einer fast fertigen Hochleistungsanlage ist ein weltweit einmaliger Vorgang und aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) nicht zu rechtfertigen. Die Strahlentherapie ist eine sehr effektive Methode zur Krebsbehandlung. Als Strahlenarten werden konventionell Röntgen- und Elektronenstrahlung eingesetzt. Die Strahlenbehandlung mit Protonen und Ionen, auch Partikeltherapie genannt, ist bislang nur an wenigen Zentren verfügbar. „Die Methode ist bereits jetzt für einzelne Krebserkrankungen die Methode der ersten Wahl“, erklärt Professor Dr. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum in Lübeck. „Ihre Bedeutung wird weiter zunehmen.“ In Deutschland stehen entsprechende Therapiemöglichkeiten bisher nur in Heidelberg (Therapie mit Protonen und Kohlenstoffionen) und München (nur Protonentherapie) zur Verfügung. Vor etwa acht Jahren startete SIEMENS sein Engagement in diesem Therapiefeld. Vier Projekte mit unterschiedlichen Partnern starteten. Wesentliche Teile dieser Technologie wurden in Deutschland mit öffentlichen Mitteln gefördert und entwickelt – unter anderem bei der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH in Darmstadt. Ein vom der GSI und SIEMENS erbauter Prototyp wird seit 2009 erfolgreich in Heidelberg im klinischen Betrieb eingesetzt. Zwei weitere Anlagen hat SIEMENS in Marburg und Kiel gebaut, eine dritte in Shanghai befindet sich noch im Aufbau. Die Anlage in Marburg hat am 6. Dezember 2011 vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Betriebsgenehmigung erhalten. Sie ist CE-zertifiziert und damit ein zugelassenes Medizinprodukt, das eine Behandlung von Krebspatienten nach höchsten medizinischen Standards ermög-licht. Nach den bisherigen Planungen der Firma SIEMENS soll sie später ebenfalls abgebaut werden. Wirtschaftliche Aspekte Da die von den deutschen Krankenkassen gewährte Vergütung für eine Partikeltherapie in Deutschland wesentlich niedriger als in allen anderen Ländern ist, wollten alle Anbieter (auch SIEMENS) dies durch eine entsprechend höhere Leistungsfähigkeit der Anlagen ausgleichen. Als sich ungefähr im Jahr 2010 abzeichnete, dass die in Marburg und Kiel vertraglich zugesicherte Leistungsfähigkeit nicht erreicht werden würde, stieg SIEMENS aus den Verträgen mit Marburg und Kiel aus. Wird Krebstherapieanlage nun demontiert? Das Angebot eines Investors in Höhe von fast 100 Millionen Euro für den Erwerb der Anlage hat SIEMENS bisher abgelehnt. Die Firma verzichtet damit nicht nur auf die Kaufsumme sondern, trägt auch die Kosten einer weltweit einmaligen Demontage einer Therapieanlage. Professor Dunst fasst zusammen: „SIEMENS nimmt damit auch Nachteile für den Forschungsstandort Deutschland und zukünftige Einschränkungen in der Behandlung von Krebspatienten in Kauf.“ Zur Strahlentherapie: Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont. Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

Berlin, Juni 2012 – Die Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie kann einen Speiseröhrenkrebs, medizinisch Ösophaguskarzinom genannt, vor der Operation so weit verkleinern, dass der Chirurg den Tumor anschließend vollständig entfernen kann. Eine Studie aus den Niederlanden weist jetzt erstmals nach, dass diese Radiochemotherapie auch die Überlebenszeit der Betroffenen verlängert. Die Behandlung kommt nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) für Patienten infrage, die sich in einem guten Allgemeinzustand befinden und bei denen Voruntersuchungen eine erfolgreiche Operation versprechen.

 In Deutschland erkranken pro Jahr 6000 Menschen neu an einem Ösophaguskarzinom. „Da sich die Speiseröhre im Brustkorb hinter Herz und Lungen befindet, sind Krebsoperationen technisch sehr anspruchsvoll“, berichtet Professor Dr. med. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Universität Lübeck. Nicht immer gelinge es, den Tumor operativ komplett zu entfernen. „In etwa einem Drittel der Fälle findet der Pathologe bei der feingeweblichen Nachuntersuchung noch Krebszellen im Randbereich des herausoperierten Tumors“, erläutert Professor Dunst. Daraus könnte sich erneut Krebs entwickeln, und die Überlebenszeiten verkürzten sich.

Bestrahlungen kombiniert mit einer Chemotherapie können den Tumor vor der Operation verkleinern und die Heilungschancen der OP verbessern. Die Radiochemotherapie vor der Operation stellt allerdings eine zusätzliche Belastung für den Patienten dar. Wegen möglicher Risiken wird diese Therapie bisher selten eingesetzt. Bei moderner Behandlungstechnik kann diese Radiochemotherapie die Heilungschance aber erheblich verbessern. Wesentliche Risiken sind nicht zu befürchten. Dies bestätigt eine Studie aus den Niederlanden, die jüngst in der Zeitschrift The New England Journal of Medicine erschienen ist: Während eine Hälfte der Patienten ausschließlich operiert wurde, erhielt die andere Hälfte über fünf Wochen vor der Operation eine Strahlenbehandlung. Gleichzeitig erhielten die Patienten die Medikamente Carboplatin und Paclitaxel. Diese Zytostatika bremsen das Zellwachstum und verstärken die Strahlenwirkung in Tumorzellen. „Diese Kombinationstherapie ist für die Betroffenen zwar anstrengend“, sagt Professor Dr. med. Frederik Wenz, Mediensprecher der DEGRO und Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim. Die meisten Studienteilnehmer vertrugen die Radiochemotherapie aber gut. „Fast alle Patienten konnten den Therapieplan einhalten“, berichtet Professor Wenz. Auf diese Weise konnte der Tumor in 92 Prozent der Fälle komplett entfernt werden, ein deutlicher Anstieg gegenüber der Vergleichsgruppe mit alleiniger Operation, bei der dies nur bei 69 Prozent möglich war. Bei fast jedem dritten Patienten waren nach der Radiochemotherapie im Tumor keine überlebenden Tumorzellen mehr nachweisbar, hebt der Experte aus Mannheim hervor.

Durch die Radiochemotherapie wurde die Überlebenszeit der Patienten wesentlich verlängert (im Mittel von zwei auf vier Jahre), und auch die Langzeit-Heilungsrate stieg an. Die Häufigkeit von Operationskomplikationen war in beiden Gruppen gleich. Ein Vorteil durch die Radiochemotherapie bestand sowohl beim Plattenepithelkarzinom, der häufigsten und vor allem durch Alkohol und Rauchen verursachten Variante des Speiseröhrenkrebses, als auch beim Adenokarzinom, einer möglichen Spätfolge eines jahrelangen Sodbrennens.

Allerdings kommt die Radiochemotherapie vor der Operation nur für Patienten infrage, die körperlich belastbar sind und aufgrund ihres Krebsleidens nicht mehr als zehn Prozent des Körpergewichts verloren haben. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Erschöpfung, Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle, aber auch Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Schlucken. Professor Wenz: „Auch die Funktion von Nieren, Leber und Lungen müssen intakt und die Blutwerte normal sein.“

„Beim Speiseröhrenkrebs sind die Heilungsaussichten oft nicht gut“, fasst Professor Dunst zusammen, „aber die vorbereitende Radiochemotherapie bietet doch für zahlreiche Patienten eine Chance, den Krebs langfristig zu überleben.“

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Literatur:

Van Hagen P, Hulshof MC, van Lanschot JJ et al. Preoperative chemoradiotherapy for esophageal or junctional cancer. N Engl J Med. 2012; 366: 2074–84

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.